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Live a Live
Plattform: Nintendo Switch
Spielzeit: 22 Stunden

Manchmal muss man sich auch einfach mal selbst zitieren. War ich Anfang des Jahres noch erstaunt über die Kreativität in Chrono Cross, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht was da dieses Jahr noch so auf mich zukommen sollte.

Live a Live ist ein 1994 erschienendes JRPG für den Super Nintendo, was aufgrund schwacher Performance auf dem heimischen Markt diesen nie verlassen hat. Und so ein wenig kann man das ganze auch nachvollziehen: Das Spiel war nicht besonders schön, es hatte den Ruf unnötig seltsam zu sein und eigentlich konnte man auch nicht erklären was das überhaupt für ein Spiel sein soll.
Zumindest ein Problem konnte im Jahre 2022 behoben werden: Aus dem unschönen Konkurrenten von Dragon Quest und Final Fantasy wurde ein aufgepepptes Remake im mittlerweile durch Triangle Strategy und Octopath Traveler bekannten 2DHD Look. Und wie gut das alles aussieht! Ähnlich wie bei Triangle Strategy haut mich immer wieder von den Socken, wie gut die Effekte bei den Kämpfen aussehen im Vergleich zum recht simplen Looks vom Rest des Spiels.

Aber was ist Live a Live denn nun? Im Spiel gibt es 7 Geschichten, in 7 verschiedenen Zeitepochen.

  • Steinzeit
  • kaiserliches China
  • Edo-Japan
  • Der Wilde Westen
  • Die Gegenwart
  • Die nahe Zukunft
  • Die ferne Zukunft

Jede Geschichte hat so eine Eigenart: Eine Visual Novel ohne Kämpfe, ein ganzes Kapitel ohne gesprochenen Dialog, eine Geschichte in dem man verschiedene andere Charaktere auflevelt, ein Street Fighter ähnliches Kampfturnier und so weiter und so fort. Wirklich keines der Kapitel spielt sich wie ein anderes, die Länge variiert von 20 Minuten bis 3 Stunden.
Weiter lesen nach Durchspielen oder bei keinem Interesse es selbst zu spielen:

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt wo denn der große Twist bleibt, denn tatsächlich gibt es zwischen den Geschichten keinerlei Verbindungen und jede Story hat einen sauberen Abschluss. Doch nach Abschluss dieser Kapitel taucht noch einmal ein weiteres Kapitel auf, auch dies unabhängig von den anderen. Dort spielt man einen edlen Ritter, der bei einem Turnier die Hand der Prinzessin gewinnt im Finale gegen seinen guten Freund.
Plötzlich wird die Frau entführt und der Lord der Finsternis, eigentlich längst geschlagen, taucht wieder am Horizont auf. Am Ende spielt man hier dann nämlich die Origin Story des großen Bösewichts, denn dieses Kapitel nimmt die ein oder andere tragische Wendung. Und damit ist immer noch nicht Schluss:

Denn danach kommt noch ein Kapitel. Nun kann man sich einen der 7 Charaktere aussuchen und mit allen Items und dem entsprechenden Level das letzte Kapitel bestreiten und das große Böse wieder da hinzuschicken wo es hingehört. Man spielt also wieder in dem Level aus Kapitel 8, nur das die Welt nun ein einziges Chaos ist. Die einzigen Menschen die man dort noch antreffen kann, sind die anderen 6 Charaktere. Diese kann man nun nacheinander rekrutieren und für diese noch, in einer 4er Party, eigene Dungeons bestreiten um deren beste Waffen zu bekommen. Oder aber man geht direkt alleine in Richtung Schloss des Bösewichts und beendet das Abenteuer an Ort und Stelle

Ich habe ja mit vielem gerechnet, nachdem ich um den Ruf des Spiels Bescheid wusste, aber das hat wirklich nochmal einen drauf gesetzt. Nochmal: 1994! Ich bin wirklich froh, das man dieses narrative Meisterwerk noch einmal im Westen erleben durfte.

Ich sage aber extra narratives Meisterwerk, denn ein Teil des Spiels war leider nicht so wirklich meins uns das nimmt leider, gerade später, einen zu großen Teil ein: Das Kämpfen. Das ganze findet auf einem Schachbrett-artigen Spielfeld statt. Jede Figur hat eigene Fähigkeiten, die ein gewisses Muster auf dem Feld abdecken. Es gibt verschiedene Elemente, Schadenstypen, Fähigkeiten die einem Statsboosts geben, Fähigkeiten die einem Statsmalus einbringt. Bodeneffekte.
Das klingt jetzt recht komplex, aber letzendlich läuft es immer auf das gleiche hinaus: Man spamt seine besten Fähigkeiten bis der Kampf vorbei ist. Und hoffentlich nicht durch einen bösen One-Hit Kill eines Bosses, mit dem kaum zu rechnen ist.

Hier merkt man das Alter dann leider doch an. Da dann auch noch Zufallskämpfe dazu kommen, wird es schnell mal etwas anstrengend. Man muss jetzt wirklich nicht viel grinden um ans Ziel zu kommen, aber um die Vielzahl an Kämpfe kommt man trotzdem nicht herum. Da die Fähigkeiten manchmal auch noch etwas länger brauchen in der Animation kann sich das ganze schon einmal unnötig hinziehen.

Aber hey, ich will gar nicht zu viel meckern. Das ist wirklich ein herausragendes Videospiel und nicht nur aus historischem Standpunkt. Eine einzigartige Art eine Geschichte zu erzählen, richtig gute Dialoge(kleiner Abzug für die Vielzahl an Furz-Witzen), wunderschöne Grafik und ein richtig guter Soundtrack. Live a Live macht genug richtig um 2022 auch noch zu funktionieren. Nur ein Geschwindigkeitsboost für die Kämpfe wäre schön gewesen, wie bei vielen Remaster alter Spiele üblich heutzutage.
Achja: Ich würde für den Schluss wirklich einen Guide empfehlen. Das gute Ende ist es wirklich wert und ist schon leicht zu verpassen.

Bitte spielt das. Oder kauft es zumindest, damit Square Enix vielleicht noch weitere Klassiker auf diese Art zurückbringt. Auf diesem Niveau ist das ein Gewinn für alle Videospielfans!

9/10

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