Mir aufgefallen, dass mich die Soundtracks in Sportspielen irgendwie nicht mehr so packen wie früher. Wenn ich mich an die ganz alten FIFA Soundtracks erinnere, also alles so bis 2004, sind das alles Sachen, die ich querbeet auch heute noch gerne höre. Das ist natürlich durch das damalige Alter stark eingefärbt, ein besseres Beispiel wäre vielleicht NBA 2k. Die haben zu ihrer Prime (2009-2012) einen grandiosen Soundtrack nach dem anderen rausgehauen, egal welches Genre, man konnte fast jeden Track genießen. Das hat dann mit 2k13 eine Wende genommen, als man die Musik von Jay-Z auswählen ließ. Das hat mir zwar auch gefallen, aber es war a) fast nur Hip Hop und damit wenig Abwechslung und b) so gut wie keine unbekannten Interpreten mehr, die man durch das Spiel das erste mal gehört hat. Nach dieser Jay-Z Nummer ging es gefühlt auch bei 2k steil bergab.
Wenn ich heute in Sportspiele reinschaue, z.B. NBA2k oder MLB The Show habe ich eher die Reaktion von mille:
Vieles klingt so unfassbar nervig und scheiße, dass man es fast schon skippen muss. Es ist nicht einfach „nur so lala“ (davon gab es früher auch viel), es ist aktiv kacke. Ich glaube es liegt auch am Mix selber. Früher hatte ich das Gefühl, dass Soundtracks sehr breit aufgestellt waren. Indie, Hip Hop, Pop, Rock, Elektro, da war immer was von allem dabei. Manches bekannt, manches unbekannt. Diese Diversität ist heute ein bisschen verloren gegangen, zumindest bei den Sportspielen, die ich spiele.
Jetzt aber die entscheidende Frage: Denkt ihr, die Soundtracks heutzutage sind wirklich „full corporate Spotify“ gegangen, oder wird man einfach nur älter und ist weniger bereit, sich auf neue Musik einzustellen? Ich finde auch heute noch vereinzelt Perlen in den Spielen, die kann ich in den letzten Jahren aber an einer Hand abzählen.
Ja, die Musikauswahl ist schlechter und weniger divers geworden
Game-Soundtracks von früher sind ohnehin oftmals echte Meisterwerke gewesen. Die Medal of Honor Reihe, LA Noire, Need for Speed, ganz zu schweigen von den FIFA-Teilen von 98-2002…
Man merkt Spielen an, wenn sie einen eigens komponierten Soundtrack haben. Besonders die Medal of Honor Spiele waren da immer brillant. Ich vermisse das in vielen modernen Games tatsächlich. Da ist der Soundtrack oftmals einfach nur “da” und verändert nicht wirklich etwas an der Experience im Spiel.
Ja, die Musikwahl ist schlechter, da sie sich halt auf neumodische Stats (Streams) verlässt und diese leicht steuer- und beinflussbar sind, ohne das die Kosumenten es wissen (oder das es sie juckt) und man sich oft darauf beschränkt, einen gewissen Vibe einzufangen, aber gleichzeitig zusätzliche Lizenzierungskosten sparen will.
Dann halt noch so klassische Themen wie die Spätfolgen des Loudness War, bei dem man so produziert, dass der Dreck möglichst auch auf Smartphonespeaker “fett” klingt.
Und Games sind eben nicht mehr Sound-Entdeckerplattform, dafür ist der Markt viel zu fragmentiert und ein Bewerben darauf zu teuer für die Labels. Das macht heute Tiktok und darauf ist dann eben v.a. Popmusik ausgelegt. Und es ist ja nachweislich so, dass diese sich noch weiter verflacht und simplifiziert hat, allein durch gestreamlintes Producing und die gleichen Tools, die verwendet werden.
Mich würde nicht überraschen, wenn wir in Zukunft gar nicht erst Musiktracks in GaaS-Games haben, sondern eine Spotifyplaylist gekoppelt ist an den Games”kauf” und man eine Abspiellizenz für Selbige bekommt. denn auch den Audioabteilungen der Studios dürfte klar sein, dass die meisten Leute ihre Games mit Soundbalken auf 0 und eigenem Sound spielen.
ohh meine lieblings Soundtracks : need for Speed Underground steht an Nummer eins, dann Madden 2002 bis 2006, NBA 2k12,Tony Hawk, Guitarhero 3, GTA Vice City, GTA3 Forza Horizon 1….
sell out with me, oh yeah sell out with me, tonight the record company’s gonna give me lots of money and ev’rything’s gonna be alright…
dödö dööö …
…die ersten Kontakte mit Reel Big Fish
Da hat sich aber wirklich eine Menge getan was die Soundtracks angeht in den Jahren.
Betrachtet man jetzt nur die Fußball-Spiele, da war aus meiner Sicht der Höhepunkt die Zusammenarbeit und die relativ große Kampagne von Robbie Williams und FIFA 2000 (Ja, die Gorillaz 2002 waren auch groß )
„It’s only us“ als Titel erschient quasi-FIFA-exklusiv, Robbie Williams wurde als Fußballer ins Intro eingearbeitet und neben dem eigentlichen Spiel erschien auch noch eine zusätzliche Compilation mit alten, neuen und überhaupt-nicht-FIFA Songs.
Schaut man sich dann mal an, dass FIFA 2000 gerade mal acht Songs insgesamt mitbrachte ist einem auch klar, warum man bei Hunderten von Spiel- und Tausenden von Editierstunden die Tracks einfach heute noch im Blut hat - you can’t unhear the rock bei Apollo 440
Zudem hat aus meiner Sicht der Stellenwert des Intros stark abgenommen.
Egal begeisternd die Songs waren, aber grundsätzlich war doch der Song aus dem jeweiligen Intro auch das entsprechende Titellied des Spiels - oder fällt es euch schwer Tubthumper, Bodyrock oder die Gorillaz den entsprechenden EA SPORTS-Titeln zuzuordnen?
Dagegen hat dann bspw. FIFA 23 wohl rund 60 Titel zum Launch mit sich gebracht. Vermutlich nochmal genau so viele zusätzlich für den Volta-Modus und nochmal rund 40 Songs im folgenden World Cup-Patch - so viele unterschiedliche Songs spielt kein Lokalradio in einer Woche…
Aus meiner Sicht macht sich die Musik dahingehend auch wiederum viel beliebiger und beiläufiger. Aus Sicht des Spiels driftet der Fokus nicht vom Spiel auf die Musik, man muss sich als Hersteller zudem nicht dem Vorwurf gefallen lassen, dass nichts für den eigenen Geschmack dabei wäre oder aber der Soundtrack zu einseitig wäre.
Daher ergibt sich aus meiner Sicht aber auch gar nicht mehr „der Soundtrack von …“, sondern nur noch Hintergrund-Gedudel mit einzelnen High- und Lowlights.
Und deshalb gilt für fast jedes Sportspiel und übrigens auch für die Konsolenmenüs: als erste Amtshandlung die Menümusik und oft generell dir Menüsounds ausstellen!