Nachdem ich den Thread hier nun gefunden und mal durchgelesen habe, möchte ich gerne mal von meinen Erfahrungen in den letzten 4 Jahren berichten da
genau dieses Thema mittlerweile einen Großteil meines Lebens einnimmt.
Mein kleiner war damals 5 Jahre alt und bis dahin nicht sonderlich Fussballbegeistert. Im Kindergarten haben Sie dann wohl angefangen rum zu kicken und
nach ein paar Wochen meinte er „Papa, ich will zum Fussball gehen“ Bei uns im Ort gibt es einen sehr guten Verein mit ordentlicher Jugendarbeit und ab der C auch
Leistungsorientiert die allesamt recht hoch spielen. Daher bieten Sie immer mal wieder Probetrainings an wo die neu interessierten Kids dann vorspielen dürfen.
Mit 5 war es dann noch die Bambini Mannschaft und beim Probetraining wuselten 15 kleine Jungs rum die allesamt anfangen wollten mit kicken.
Der Trainer meinte dann am Ende er will ganz offen sein, seine Mannschaft ist fast voll und er könnte maximal 2-3 rein nehmen zu sich, außer jemand von den Eltern erklärt sich bereit noch eine
2. reine 2012er Mannschaft als Trainer zu übernehmen. Ich hab mir das dann kurz überlegt, mit meiner Frau besprochen und am nächsten Tag zugesagt. Ab dem Tag war ich dann
erstmal „Papatrainer“ und hab direkt alle 15 vom Probetraining in mein Team genommen. Glücklicherweise ging mein Vater in dem Jahr in Rente und wir konnten ihn überzeugen, dass er mich als Co Trainer mit unterstützt.
Die ersten Wochen waren natürlich noch stark getrieben von Flugzeuge am Himmel zählen und Sandhäufchen auf dem Kunstrasen schaufeln, aber man hat schon noch kurzer Zeit gemerkt, dass einige der Jungs echt Talent hatten.
Ich wollte dann aber auch recht schnell das ganze zumindest semiprofesionell machen und hab angefangen mich weiterzubilden in der Thematik kindgerechtes Training. Im Internet gibt es relativ viel dazu, auch einige wirklich gute Bücher (Horst Wein kann ich absolut empfehlen)
und 2 Zeitschriften Abos zum Thema Kinderfussball waren der Start. Später kamen dann einige Kurzlehrgänge von Coerver mit dazu und nach 1 Jahr hab ich dann beim WfV Seminare besucht. Corona hat das dann leider etwas hinausgezögert aber mittlerweile hab ich die C-Lizenz
fast fertig.
Bambini Fussball heißt bei uns in BaWü noch 3-3 auf die Minitore, das war 1 Jahr ganz OK aber ich habe da schon früh gemerkt, dass die Jungs bereit sind fürs F Feld mit den 5 Meter Toren. mit vielen Leistungsvergleichen mit anderen Vereinen und einigen F Turnieren gegen Jahrgangsältere
sind wir dann in den F Modus (4+1) gestartet und haben dort gut mithalten können. Der Lernfaktor wenn man ab und zu auch mal gegen ältere spielt ist enorm für die Kinder, da merkt man die Entwicklungsschritte noch viel schneller.
Der Lockdown war dann letztes Jahr echt hart für uns alle - 3 Monate durften wir gar nicht trainieren und nur Online ein paar Trainingseinheiten oder Übungen verteilen. Dann gings im Sommer 2020 fast wieder zurück in die Normalität bis der nächste Lockdown kam, diesmal noch viel länger.
Ab Januar war uns dann gestattet 2er Gruppen trainieren zu dürfen und wir sind dann wirklich wochenlang bei Wind und Wetter zwei mal die Woche je 4 Stunden aufm Platz gestanden und haben die Jungs trainiert. Das ersetzt zwar kein richtiges Mannschaftstraining aber von Vorteil war, dass
man noch individueller coachen und auf den einzelnen eingehen konnte. Als es dann endlich wieder „normal“ weiter ging waren natürlich alle glücklich.
Nun sind wir in der E Jugend angekommen, 6+1, noch größeres Feld und endlich Liga- und Pokalspiele. Von den 15 Jungs am Anfang sind immer noch 10 mit dabei, einige hatten keine Lust mehr oder haben sich anderen Sportarten zugewandt.
Es macht immer noch einen riesen Spaß und ich freue mich täglich darauf das nächste Training oder Spiel vorzubereiten, den Jungs nun auch taktische Themen beizubringen und zu sehen wie Sie sich immer weiter entwickeln. Mein Sohn hat viele neue Freunde gefunden
und spielt wahnsinnig gerne Fussball. Dass wir dabei gemeinsam viel Zeit verbringen können ist natürlich auch etwas besonderes was uns niemand mehr nehmen wird.
Ich habe in der Zeit viele Vereine und „Trainer“ kennengelernt, einige die Ihre Kinder anschreien, Strafliegestütz machen lassen oder Sie kritisieren bis Sie heulend in der Ecke stehen. Das Problem dabei ist, das viele „Papas“ einfach Trainer werden können und wenn Sie nicht
selber den Ansporn haben sich mit dem Thema kindgerechtes Training auseinanderzusetzen dann kommt leider oft so etwas dabei heraus. Meine Art war und ist schon immer eine andere, ich versuche über Lob und Anerkennung die Jungs zu entwickeln und Lobe lieber so oft einen guten Pass
anstatt zu kritisieren das er nicht abgespielt hat bis die Jungs schon von alleine drauf kommen was in welcher Situation vielleicht die bessere Entscheidung ist.
Das wurde mir auch schon mal vorgeworfen, „Du bist zu lasch mit Ihnen“ oder ähnliches - aber daran habe ich nie etwas geändert und werde es auch nicht tun. Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch viel Lob von den Eltern die es schon anders erlebt haben mit anderen Trainern
und meinen Umgang gut finden mit den Kinds.
Aktuell sind wir nun mitten in der Vorbereitung für die neue Saison und ich freue mich schon auf die ersten Ligaspiele Ende September.