Das war ein ganz seltsames Spielejahr für mich. Dadurch das ich eher zurückgeschaut und mehr alte Spiele gespielt habe dieses Jahr(Top 5 aus Nicht 2025 Spielen hier) kommt bei mir dieses Jahr gar keine so große Auswahl zustande. Wenn ich mir aber die Liste der Releases so anschaue, tut mir das nur bei wenigen Ausnahmen richtig weh. Silksong ist natürlich das offensichtliche, aber mit meinen meistens eher kurzen Spielsessions gepaart mit meinen Orientierungsschwierigkeiten in Metroidvanias war das aktuell einfach nicht realistisch. Für Blue Prince und The Roottrees Are Dead bin ich nicht clever genug auch wenn mich beide sehr reizen, Roguelites sind nicht mein Genre und damit hat man schon 90% der bestbewerteten Spiele dieses Jahres erschlagen.
Durch einen Endspurt zum Jahresende habe ich aber dann doch noch eine ordentliche Auswahl zusammenbekommen, auch wenn 2 meiner Top 10 Titel noch eher ein Work in Progress sind.
- Donkey Kong Bananza
Das Spiel wurde ja doch recht kritisch besprochen dieses Jahr, was aber ja allgemein in den eher kleineren Videospiel-Medien aktuell im Trend zu sein scheint bei allem was Nintendo angeht(auch wenn die Spielewertungen am Ende ein anderes Bild abgeben, was aber auch ein Teil des Problems ist wahrscheinlich). Bei einem Spiel wie DK Bananza bleibt bei mir aber am Ende eine Kernfrage übrig: Hat es Spaß gemacht oder nicht? Bananza? Unglaublich viel Spaß.
Sich durch die Level zu prügeln, wurde während der gesamten Spielzeit nie langweilig. Klar, dadurch achtet man nicht mehr so sehr auf den Aufbau der Level. Aber später haben sie genug Einschränkungen eingebaut, sodass es sich trotzdem nach einer guten Balance angefühlt hat.
Die Steuerung hat gut funktioniert, abgesehen von den gelegentlichen Kameradrehungen, wenn man zu tief im Boden war. Aber das war überhaupt nicht spielentscheidend.
Meine größte Kritik betrifft die Kräfte, die man im Laufe des Spiels bekommt. Meistens braucht man immer nur eine auf einmal. Ich hätte mir mehr Gelegenheiten gewünscht, sie für Rätsel und Herausforderungen miteinander zu kombinieren. Der Endboss hatte genau das und hat richtig Spaß gemacht – dabei wurde mir klar, dass man das im Rest des Spiels kaum macht. Insgesamt aber ein sehr cooles Spiel und auf jeden Fall geeignet für das Release Fenster einer neuen Nintendo Konsole, denn die übliche Kreativität war hier definitiv zu spüren.
9. Dynasty Warriors Origins
Wahrscheinlich meine zweitgrößte Überraschung des Jahres. Die Musou Spiele sind ja normalerweise immer eher eine kuriose Randnotiz, hier hatten die positiven Stimmen aber definitiv mein Interesse geweckt, auch weil die Geschichte besser sein sollte als zuvor. Also das ist schon ein anderes Level als man es vom Studio kennt. Die Inszenierung ist stellenweise wirklich unglaublich. Und da die Sequenzen recht trashig vertont werden passt es auch irgendwie zum Charme der Reihe.
Spielerisch war ich überrascht wie unterschiedlich sich die Waffen angefühlt haben und wie viel Tiefe das dem Gameplay gegeben hat. Auch da hebt man sich von vielen der Vorgänger ab.
Bonus für die wunderschöne Overworld Map, die sehr an alte JRPGs erinnerte:
Die Story teilt sich irgendwann in 3 verschiedene Wege, mir reichte aber ehrlich gesagt einer für eine ordentliche Zeit und eine doch positive Platzierung.
- Monster Hunter Wilds
Vielleicht ein kontroverser Pick, weil das Spiel gerade in Fanreihen für viel Kritik gesorgt hat. Aber ich hatte zumindest mit der Kampagne als Newcomer der Serie echt viel Spaß und die technischen Probleme hielten sich auf der PS5 in Grenzen. Natürlich bin ich vor dem üblichen endlosen Grind im Postgame ausgestiegen, aber ich wäre zu einer wahrscheinlich kommenden Erweiterung sicher für die Story wieder dabei. Die Inszenierung der Kämpfe und wie gut es sich anfühlte gegen die übermächtigen Bestien zu kämpfen war schon sehr besonders. Da kann ich auch über die Klischee geladene Story hinweg sehen, die zumindest ein paar gute Charaktere hatte.
- Shinobi - Art of Vengeance
Hier kann ich meine ersten Eindrücke aus dem Und sonst so-Thread einfach nochmal untermauern: So ein verdammt stylisches Spiel! Im Laufe des Spiels nimmt die Herausforderung etwas zu, aber nie in einer Größenordnung die den Spielspaß trübt.
- Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii
Bisher in meiner Rangliste überraschend viel Spielspaß Fokus und wenig Story. Gerade im Vergleich zu den anderen Yakuza Spielen fand ich hier das Gameplay nochmal um einiges gelungener und zwar sowohl die Schiffskämpfe als auch das Verprügeln der Horden mit Majima.
Das Spiel hat eigentlich alles was man von einem Yakuza Spiel erwartet, nur in einem kompakteren Paket. Witzige Nebenstories, überraschend emotionale Momente(das Ende ist wirklich wunderschön) und eine riesige Portion Irrsinn. Das Highlight ist eine Nebenquest bei der man für einen seiner Crewkameraden eine Frau finden soll, was in einer 30 minütigen Cutscene mit den realen Schauspielern endet die klar improvisiert ist und das ziemlich furchtbar. Perfekter Mix aus Fremdscham und sehr guter Comedy.
Tatsächlich habe ich hier auch meine 5. Platintrophäe überhaupt geholt, einfach weil die Welt mich so begeistert hat.
- Hades 2
Das ist mein erster „Work in Progress“ Titel, denn hier bin ich noch weit weg davon überhaupt nur an Credits zu denken, sondern kämpfe mich erst seit 7 Stunden durch die Unterwelt. Aber deswegen auch nur an Nummer 5, denn wenn es das bisher gegebene Versprechen auch nur ungefähr hält wäre es wahrscheinlich mindestens an Platz 3 mit Tendenz nach oben.
Hier war in Jahresenddiskussionen der Tenor meistens das es ein gutes Spiel ist, aber eben auch nur mehr Hades. Das kann man ganz oberflächlich so sehen und deckte sich auch mit meinem ersten Eindruck, aber schon auf den 2. Blick offenbaren sich genug Änderungen. Das Moveset ist vielseitiger, die Level komplexer, der Umfang verdoppelt, der Look noch polierter. Das einzige was noch wirklich 1 zu 1 genauso ist, ist der Spielspaß.
Bisher bleibe ich noch am 3. Boss hängen, war aber schon mehrmals dort mit 2 Wiederbelebungen und viel Motivation, also ist es nur eine Frage der Zeit. Mittlerweile habe ich aber auch schon die 2. Hälfte des Spiels freigeschalten und bin schon sehr gespannt, was sie sich da noch einfallen lassen. Ich weiß aber jetzt schon, das es nicht viele bessere Spiele geben wird.
- Death Stranding 2
Death Stranding steht auf der Liste meiner All-Time-Lieblingsspiele, und das hier ist mehr Death Stranding – wie könnte ich das also nicht mögen?
Aber es fühlt sich nicht nach der typischen Sony-Sequel-Formel an, bei der man dasselbe Spiel einfach nur größer macht. Sie haben tatsächlich einige Dinge verändert, sodass es sich wie eine Mischung aus MGS5 und Death Stranding anfühlt.
Wenn dir der erste Teil gefallen hat, wird dir dieser hier auch gefallen. Wenn dir der erste Teil nicht gefallen hat, probiere ihn noch einmal – am besten den Director’s Cut auf der PS5.
3. Silent Hill F
Ich bin kein Horror-Typ – nicht, weil sie mir zu gruselig sind, sondern weil ich kein Fan des üblichen Gameplay-Loops bin. Ein großer Bestandteil dieser Spiele ist Backtracking, bei dem man den Überblick über verschiedene Schlüssel für Türen behalten muss, um weitere Schlüssel für noch mehr Türen zu finden …
Die aktuellen Resident-Evil-Veröffentlichungen, besonders Village und das Remake von Teil 4, haben da etwas verändert. Die Quality-of-Life-Verbesserungen, vor allem die Markierungen auf der Karte, ob man eine Tür bereits geprüft hat oder ob man mit einem Raum fertig ist, helfen enorm bei der Orientierung. Und das haben sie hier ebenfalls gut umgesetzt.
Aber das war nicht der einzige Grund, warum ich meine Zeit mit diesem Spiel so geliebt habe: Die Atmosphäre war unglaublich. Die Musik, die japanische Sprachausgabe, die Soundeffekte – all das zeichnete ein wunderschönes Bild eines großartigen Horror-Abenteuers, das von Depression dominiert wird.
Ich fand auch die Geschichte sehr interessant. Ich habe bisher nur das erste Ende gesehen(daher auch WIP), aber selbst damit habe ich schon ein ziemlich klares Bild davon, worauf sie hier hinauswollen und ich mag sehr was das Spiel aussagen möchte, gerade was die Rolle der Hauptfigur in der Welt angeht.
Die Kämpfe wurden viel kritisiert, und das kann ich absolut nachvollziehen, weil sie sich etwas holprig anfühlen – für mich aber auf eine gute Art. Und man kann den Schwierigkeitsgrad jederzeit senken, ohne das zu verlieren, was das Spiel großartig macht. Das ist ja auch schon eine Kunst an sich.
Fazit: Silent Hill F ist meine größte Überraschung des Jahres.
- Trails in the Sky - First Chapter
Wenn jemand über die Trails-Reihe spricht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Wort „Worldbuilding“ fällt – und zwar ziemlich früh. Dieses Spiel ist das perfekte Beispiel dafür, warum das so ist.
Man wird langsam in die Welt eingeführt: Zuerst lernt man die Abläufe in seiner Heimatstadt kennen, seine Familie und das Leben in dieser Welt. Dann wird das auf die nächste Stadt und die nächsten Leute ausgeweitet. Diese Schleife geht immer weiter, während im Hintergrund nach und nach die Stakes erhöht werden. Am Ende fügt sich alles im letzten Kapitel zusammen, wenn man die Spannung in jedem Gespräch spüren kann und regelrecht am Bildschirm hängt. Das ist einfach brillantes Storytelling – abgerundet durch ein großartiges Ende.
Aber das Spiel besteht aus mehr als nur der Geschichte und seinen tollen Charakteren: Der Mix aus Echtzeit- und rundenbasiertem Kämpfen funktioniert hervorragend, weil er das Spiel durchgehend frisch hält. Der Charakteraufbau mit den Quartz ist sehr motivierend, weil man damit seinen Spielstil stark verändern kann, und die Spielökonomie mit Orbs und Geld sorgt ebenfalls dafür, dass man am Ball bleibt. Jeder Aspekt des RPG-Gameplays funktioniert hier wirklich gut.
Mein einzig kleiner Nachteil ist der neue Look, mit dem ich nicht so ganz warm werde, weil er jetzt sehr nach den neueren Ys-Spielen aussieht. Ich fand, die anderen Trails-Spiele hatten immer einen markanteren, eigenen Stil. Es ist zwar immer noch hübsch, aber einige der Vorgänger sind bei mir optisch mehr hängen geblieben.
Insgesamt auf jeden Fall eine Empfehlung und ein perfekter Einstiegspunkt in eine der beeindruckendsten RPG-Reihen überhaupt.
1. Clair Obscur: Expedition 33
In dem Moment als die Credits liefen wusste ich schon: An dem Spiel führt bei mir kein Weg dran vorbei in diesem Jahr. Vor allem weil das Spiel eben genau das richtig macht, was mir bei Spielen am wichtigsten ist: Geschichte und Charaktere. Und da ich wie üblich weniger vom Sidecontent gemacht habe als wahrscheinlich die meisten, war auch das Gameplay an sich bis zum Schluss begeisternd. Gerade bei rundenbasierten Spielen kehrt ja sonst irgendwann so eine Routine ein, das man quasi in einen Autopiloten-Modus verfällt. Hier musste man aber durch das Parry System immer einen gewissen Fokus halten.
Aber ja, die größte Last trägt die Story. Das fängt beim atemberaubenden Opener an, der eines der besten Setups in einem Spiel überhaupt war für mich. Dann direkt die Schicksalsschläge, die in der Konsequenz auch selten sind. Und natürlich das Ende/die Enden, die für mich die Story kaum hätten besser abschließen können. Es ist für mich eine so herausragende Errungenschaft wie oft das Spiel den Fokus wechselt, ohne mich als Spieler dabei auch nur einmal zu verlieren. Und zwischendurch verliert man trotzdem nie den Humor, der einige der Interaktionen für mich nur noch besonderer gemacht hat. Man trifft einfach über die gesamte Spielzeit immer den richtigen Ton.
Apropos Ton: Die Musik! Wirklich einer der besten Soundtracks überhaupt und wenn ich heute einen der prägenden Tracks höre, bekomme ich wirklich direkt Gänsehaut.
Das Spiel hat wirklich etwas mit mir gemacht, ich habe die Welt eigentlich sofort nach Spielende wieder vermisst und kann einen Re-Run wirklich kaum erwarten. Einen Platz in der Liste einer meiner All-Time-Lieblinge hat es aber auch so schon sicher: „Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées“.


