Dazu kann ich auch einiges beitragen…
Elternhaus nach dem Motto „Diamanten entstehen unter Druck“ + die Bürde einer großen Schwester mit 1,0 Abi. War immer solider 1,7-1,8er Schüler. Ne 3 auf dem Zeugnis war schon Alarmstufe Rot Zuhause mit Drohungen nach dem Motto „Wenn die nicht zum Endjahres-Zeugnis weg ist, kannst du dich schon mal bewerben!“. In der 11. war es dann so weit: Hatte Geografie, was ohnehin abgewählt wurde zur 12./13. und mir da zum Halbjahreszeugnis ne 4 gefangen, weil einfach keinen Nerv zu gehabt. Gesamtschnitt damals trotzdem irgendwas um 1,9.
Kurzer Einschub hier: Ich habe generell nie auch nur einen Handschlag für die Schule gemacht. Mit dem Klingeln endete das Kapitel Schule und ich habe selbst Gedichte einfach komplett verweigert zu lernen. Außer Präsentationen und den benoteten Hausarbeiten habe ich nach der Schule gar nichts getan und nie gelernt.
Mit dem Zeugnis Zuhause die klare Botschaft von der Mutter bekommen: „Gut, dann brauchst du wohl kein Abitur machen. Bereite schon mal Bewerbungen vor, wir melden dich von der Schule ab.“
Habe dann interveniert, dass ich das für totalen Mumpitz halte, aber war nix zu machen. Habe dann über meine Klassenlehrerin ein Gespräch zwischen ihr und meinen Eltern vereinbart. Dort hat sie meinen Eltern klar gemacht, dass es verrückt wäre, einem soliden 2+ Schüler das Abitur zu verwehren. Meine Mutter blieb hart, aber mein alter Herr dann das eine Mal meine Mutter überstimmt und gesagt, dass ich mein Abitur machen darf.
Mein einziger Fokus war dann, nach der Schule schnellstmöglich einen bezahlten Job zu finden und aus dem Elternhaus wegzukommen, weil ich diese Art des Drucks nicht noch in einem Studium haben wollte, in dem ich möglicherweise auf elterliche Unterstützung angewiesen wäre.
Ohne diese Situation hätte ich gern Journalismus studiert und wohl schon relativ jung versucht, einen Fuß in den Automobiljournalismus zu bekommen. Stattdessen wurde es ein VWL-Studium als Offizier bei der Luftwaffe (weil es schließlich bezahlt war) und nach der Dienstzeit ein duales Studium in Public Management und später eine Verbeamtung auf Lebenszeit.
Durch glückliche Fügungen und einen Burnout später habe ich den Weg dahin tatsächlich auf Umwegen gefunden. Es brauchte aber diese Depression, in der ich realisiert habe, dass ich die ersten 15 Jahre meines Berufslebens nur deshalb gewählt habe, weil ich a) immer wieder eingedroschen bekommen habe, wie wichtig Sicherheit und solides Gehalt ja wären und b) ich einfach schnellstmöglich finanziell unabhängig vom Elternhaus werden wollte.
Mein Learning daraus: Gib den Kindern überhaupt nicht vor, was ein toller Beruf sein könnte, sondern ermuntere sie dazu, auszuprobieren, was ihnen liegt und übe keinen Druck aus. Stattdessen zeige ihnen auf, dass der erste Schuss nicht zwingend sitzen muss und man eben erstmal für sich wirklich herausfinden muss, was einem liegt, worin man gut ist. Ob das nun etwas mit Menschen, mit Maschinen, mit Handwerk oder sonst was ist. Alles andere ergibt sich dann von allein und Bildung lässt sich auch nachholen, falls beispielsweise die Reife bzw. Erkenntnis dafür gerade noch nicht ausgeprägt genug ist.