Du könntest gern ein bisschen ausführen, wenn du es auch von anderen verlangst.
Blade Runner ist so überschätzt und so heißgeliebt. Man könnte beinahe denken, er wäre von Kubrick oder Chris Nolan gemacht worden.
Wie gesagt, optisch gefällt er mir. Und Vangelis’ Score untermauert die Atmosphäre, die der Film schafft. Darin ist Ridley Scott ein Meister (s. Alien, Gladiator, Black Hawk Down).
Dahinter kommt aber nicht mehr viel. Ford wirkt gelangweilt, aber nicht Marlowe-Detektiv-typisch, sondern eher distanziert, was man natürlich immer darauf schieben kann, dass er vielleicht ein Replikant ist. Love interest und Endgegner sind nicht mehr als das, Abziehbilder und austauschbar. Weder die Charakter noch der Plot erreichen eine Tiefe oder besser gesagt, können das illustrieren oder vertiefen, was die Philip K. Dick-Geschichte an höchst interessanten existenzialistischen Fragen (KI!) aufwirft.
Ein Film noir muss aber interessante Charaktere beinhalten, das hat dieser nicht.
Ich bin da in Vielem eher beim 1982er Verriss von Pauline Kael (der natürlich pointiert und bewusst over the top ist) im New Yorker, den Scott ja bekannterweise als Ansporn in Gänze über seinem Schreibtisch hängen hat:
“Blade Runner,” which cost thirty million dollars, has its own look, and a visionary sci-fi movie that has its own look can’t be ignored—it has its place in film history. […]
“Blade Runner” is a suspenseless thriller; it appears to be a victim of its own imaginative use of hardware and miniatures and mattes.[…]
But this movie loses track of the few expectations it sets up, and the formlessness adds to a viewer’s demoralization—the film itself seems part of the atmosphere of decay. “Blade Runner” has nothing to give the audience—not even a second of sorrow for Sebastian.
Und die Tatsache, dass er sich für einen Final Cut dazu gedrängt sah, Sachen zu ändern, macht den Film lediglich ein bisschen besser und alles in allem sehenswert, er ist aber meilenweit entfernt von einem Meisterstück oder dem gar besten Sci-Fi-Film aller Zeiten.