Wir fliegen zwar erst Freitag zurück nach Eindhoven und fahren von dort dann wieder nach Essen, da die nächsten Tage aber regnerisch werden sollen hier ein kleines Review zu Fes nach 8 Tagen.
Was schon bei der Fahrt vom Flughafen zu unserer Wohnung per Taxi aufgefallen ist und sich im Laufe des Urlaubs immer wieder bestätigt hat: Verkehrsregeln gibt es eher nicht so und auch Straßenschilder sind mehr Vorschläge als ernstzunehmende Reglementierung. Bei jeder Fahrt schwingt latente Todesangst mit, dennoch gibt es den Umständen entsprechend zumindest offensichtlich kaum Unfälle. Für eine 15 Minütige Taxifahrt zahlt man ca. 25 DH, was umgerechnet ungefähr 2,50€ sind. Das Konzept ist aber wild und mir nicht so bekannt, man zahlt nämlich neben der Strecke auch pro Kopf. Es gibt weiße und rote Taxis, die sich in der Anzahl mitzunehmender Gäste unterscheiden. Weiße Taxis nehmen bis zu fünf Leute mit, rote sind auf drei beschränkt. Jetzt ist es aber so, dass bspw. ein weißes Taxi ungern 5 Leute als Familie mitnimmt, da es so während der Fahrt keine weiteren Kunden mehr aufnehmen kann. Der Fahrer versucht während der Fahrt, so viele unterschiedliche Gäste wie möglich mitzuführen und die Plätze im Optimalfall nie leer zu lassen. Wir hatten jetzt das Glück und hatten einen privaten Fahrer per App gefunden (ähnlich Uber), der uns gebündelt gefahren hat, normalerweise hätten sich meine Frau und ich uns aber trennen und mit zwei unterschiedlichen Taxis fahren müssen ODER die neben der Strecke auch noch eine Pauschale zahlen müssen, da der Fahrer mit uns ja eigentlich nur einmal abcasht. Ziemlich crazy das System und für mich ohne die App auch zu anstrengend.
Die meiste Zeit haben wir in der Medina, also der Altstadt Fes, verbracht. Hier ist das tatsächlich so, wie man das aus den Filmen kennt: enge Gassen, überall Händler und dementsprechend Gedränge. Regelmäßig kommen dir Esel, Motorroller oder fahrbare Stände entgegen und alle wollen dich in ihre Läden locken. Glücklicherweise spricht meine Frau fließend Darija, also die marokkanische Abwandlung vom Arabischen, so dass wir die Einladungen a) dankend ablehnen und b) bei den Preisen handeln konnten. Meine Sprachkenntnisse sind eher rudimentär, ich verstehe ganz gut und kann die geläufigen Floskeln auch sprechen, mit einer Muttersprachlerin ist es aber natürlich um einiges einfacher. Außerdem musst dann nicht die kompletten Touri-Preise zahlen, zumindest nicht bei allen Ständen. Gastfreundlichkeit wird groß geschrieben, die Leute nehmen sich Zeit für dich, natürlich auch vor dem Hintergrund eines Trinkgeldes, aber davon könnten sich einige Almans schon eine Scheibe von abschneiden. Heute haben wir bspw. einen traditionellen berbischen Kaffee getrunken für 1,50€, bei dem mir der Verkäufer die Zubereitung erklärt und vorgeführt hat und sichtlich Spaß dabei hatte, einem Gawri (einem Ausländer) sein Handwerk zu präsentieren. Generell sind die Preise nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Ich wollte mal die volle Marokko Experience und bin hier zum Friseur gegangen und hab für einen Schnitt + Bart ganze 4€ bezahlt, wobei 1€ allein Trinkgeld war - die 10 DH Trinkgeld waren für den jungen Mann aber gefühlt der Jackpot.
An einem Tag sind wir nach Sidi Harazem, einem Kurort in Fes, gefahren. Unser Taxifahrer hatte uns den Ort empfohlen, weil dort an bestimmten Tagen eine Art Kirmes stattfindet. Tatsächlich gab es auch eine Kirmes, die sich aber qualitativ schon sehr von unseren Standards unterschieden hat. Kettenkarussells sind mit Stühlen von Action und Seilen zusammengebaut und werden händisch angeschubst, "Riesen"rad und normale Karussells sind einfache Metallkonstruktionen, die auch alle per Hand gedreht werden müssen. Da steht dann meistens ein Jugendlicher, der für einen kleinen Betrag die Kinder für ein paar Minuten anstößt. Auch wenn’s erst ein Kulturschock war, war ich doch berührt, dass meine Töchter Spaß damit hatten und ihnen die „billige“ Ausstattung kein Stick gestört hat. Meine Kinder sind wie bunte Hunde aufgefallen und wurden von den anderen Kindern herzlich empfangen, teilweise fast schon beglotzt, weil es halt auch kein typischer Touri-Ort ist und sich Europäer dort eher selten hin verirren. Dazu auch noch eine witzige Anekdote zu dem Friseur, der am Anfang etwas Panik schon, weil er Zitat „so eine Haarstruktur noch nie bearbeitet hat und es gerne an mir ausprobieren würde, falls das kein Problem für mich wäre“. Ist dann aber gut geworden.
Auch hier war die Ausstattung übrigens eher zweckdienlich und in Deutschland wäre der Laden aufgrund von Sicherheitsmängeln nach 10 Minuten geschlossen worden. Aber hier juckt es einfach keinen, wie schon beim Autofahren, Hauptsache es funktioniert irgendwie.
Was mir bei den ganzen Taxifahrten (wir wohnen etwas außerhalb der Altstadt) aufgefallen ist: die Menschen hier chillen echt an allen Orten. Egal ob Park, Straße oder im Kreisverkehr, überall sitzen Menschengruppen und reden, spielen oder grillen. Mittlerweile wundert es mich nicht mehr, dass auch bei uns in Deutschland in den Parks immer wieder in Gartenstuhlkreisen gegrillt wird, das ist hier absoluter Normalzustand.
Aktuell haben wir so um die 25°, also alles noch aushaltbar. Im Sommer sind Temperaturen von bis zu 40° aber keine Seltenheit, von daher würde ich Reisen eher im Frühling oder Anfang Herbst empfehlen.
Zum Abschluss dumpe ich noch ein paar Fotos:
Eingang in die Medina am Bab Bou Jeloud (Blaue Tor):
Vorplatz, an dem Feste gefeiert werden:
Hier werden Duftöle gemischt:
Marokkanischer Kaffee wird in einem Sandbad zubereitet und mit verschiedenen Gewürzen verfeinert:
Allee in Richtung Innenstadt:
Gerberviertel:
Ein überdachter Teil der Medina:
Und ein obligatorisches Urlaubsselfie: