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Ich bin demnächst für ein paar Tage in Riga.
Hat jemand Tipps parat?

Meine Frau kommt aus Lettland und hat mal in Riga gearbeitet/gelebt. Noch immer wohnen Verwandte in/um Riga. Von daher sind wir regelmäßig dort. Kann gerne die Tage mal ein paar Takte schreiben.
Was sind denn so die generellen Interessen?
Beschränkt auf die Innenstadt oder auch Umland?

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Wir sind mit fünf Jungs vier Tage dort und werden in der Stadt bleiben. Mit verschiedenen Interessenlagen. Wir wollen auf jeden Fall gut essen und trinken, ein paar von uns auch abends engagiert weggehen. Gleichzeitig sind wir mittlerweile alt genug, um uns auch tagsüber für Kultur zu interessieren. Und was natürlich auch immer Gold wert ist, sind so Tipps, wie „das und das kann man sich sparen, aber von da und da hat man eine tolle Aussicht“ o.ä.

Also zum Thema gut essen kann ich die Kette LIDO empfehlen, die an verschiedenen Stellen in Riga Filialen hat. Zwar durch die Selbstbedienung auf dem Tablett leichter Kantineneinschlag. Aber dadurch kann man sich eben aus sehr vielen verschiedenen Optionen das Essen individuell gut zusammenstellen. Zudem sind die meisten Läden schön eingerichtet und mit netter Atmosphäre. Man bekommt einen guten Einblick in die traditionelle lettische Küche mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Außerdem brauen sie ihr eigenes LIDO-Bier, das mir persönlich hervorragend schmeckt.
In der Altstadt gehen wir außerdem sehr gerne zu PEPPO´s. Ist zwar keine lokale Küche, aber wegen der leckeren echten neapolitanischen Pizzen dennoch eine absolute Empfehlung.

Falls ihr an Alkoholika bzw. und deren Herstellung interessiert seid, kann ich eine Factory Tour bei Riga Black Balsam empfehlen. Das ist quasi das lettische Nationalgetränk; ein starker und bittersüßer Kräuterlikör. Ich meine, dass auf dem selben Fabrikgelände auch Wodka hergestellt wird. Im Rahmen der Führung ist auch eine Trinkprobe enthalten.

Als Einstieg in die Geschichte Lettlands im 20. Jahrhundert finde ich das Occupation Museum sehr informativ. Die wechselnden Besatzungen bis zur Unabhängigkeit 1991 werden lehrreich und kurzweilig dargestellt. Ebenfalls zu dem Museum, allerdings an einem anderen Standort, gehört das sog. „Stura Maja“ (Eckhaus), das ehemalige KGB-Hauptquartier. Hier empfehle ich unbedingt die interessante Führung durch die Verhörräume und Zellen.

Riga spielte in der Shoa für viele deutsche Juden eine schreckliche Rolle. So wurden z.B. ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Stuttgarts nach Riga deportiert und dort durch SS-Truppen und lettische Hilfskräfte ermordet. Es gibt dementsprechend viele Möglichkeiten (Getto-Museum, Jüdisches Museum, Gedenkstätte Rumbula, Konzentrationslager Salaspils etc.), sich mit diesem Teil der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen. Wenn man sich auf einen Programmpunkt beschränken möchte, würde ich die Gedenkstätte im Bikernieki-Wald empfehlen. Dieser diente als Massenerschießungsplatz, an dem zwischen 1942 und 1944 je nach Quellen zwischen 40.000 und 50.000 Menschen erschossen wurden. Die Gedenkstätte ist mit informativen Schautafeln sehr gut aufbereitet. Zudem gibt es ein Stelenfeld mit den Aufschriften der europäischen Städte, aus denen die Ermordeten stammten.

In vielen Stadtführern gehypt, aber aus meiner Sicht eher wenig interessant, ist das Jugendstilviertel mit entsprechenden Museen. Wenn man sich für die besondere Architektur dieser Epoche interessiert, mag das anders aussehen. Aus meiner Sicht kann man diesen Punkt allerdings getrost auslassen.

Die beste Aussicht hat man vom TV-Turm auf der Zaķusala (Haseninsel). Mit einer Höhe von ca. 370 Metern ist es das höchste Gebäude der EU. Der Blick über das gesamte Stadtgebiet und darüber hinaus bis auf die Ostsee ist grandios. Leider ist die Aussichtsplattform offenbar noch geschlossen. Nach mehreren Jahren Renovierung/Umbau des Turmareals sollte sie eigentlich 2023 wiedereröffnen, allerdings gab es wohl Verzögerungen.
Ansonsten ist der „klassische“ Panoramapunkt über die Altstadt der Turm der St. Peter-Kirche. Als Alternative bietet sich die vor wenigen Jahren eröffnete Nationalbibliothek am anderen Düna-Ufer an. Dort ist kostenloser Eintritt und von den obersten Stockwerken hat man einen guten Ausblick auf die Altstadt.

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Wir sind von Riga aus mit der Bahn nach Jurmala Beach gefahren. War ein rundum gelungen Ausflug ans Meer :)
In Riga selbst waren wir in einem Keller Lokal speisen, da wurde alles auf mittelalterliche Art zubereitet. War ein tolles Erlebnis.

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Danke für das ausführliche Statement!:heart:

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@joniz ist black balzam ein Markenname oder das Getränk?

Es hat mich neugierig gemacht und manch nette Flasche würde sich auch als Dankeschön anbieten.

Sehr gerne :slight_smile:

Ich würde sagen beides. Also das Getränk heißt so und es wird nur unter dieser Marke von einer Firma hergestellt, die das Patent auf das geheimgehaltene Rezept besitzt. Es sollen wohl insgesamt 24 Zutaten (u.a. Lindenblüten, Honig, Baldrian, Pfefferminze, Wermut, Heidelbeeren, Orangenschalen, Ingwer, Muskat und Schwarzer Pfeffer) sein.
Dem Black Balsam wird eine förderliche Wirkung bei Verdauungsproblemen, Entzündungen etc. zugeschieben. Nach der Legende soll Zarin Katharina die Große durch das Trinken geheilt worden sein. Möglicherweise auch deshalb war der Riga Black Balsam im Zarenreich und später der UdSSR durchaus ein begehrtes Produkt.

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…und diese zusätzlichen Hintergrundinfos … herrlich.

Lieben Dank :slight_smile:

Schaue mich da mal um.

Ich habe das Zeug nach unserem Riga Tripp damals auch mit heimgebracht. Alle haben es geliebt. :wohooo:

Ich werfe die großen Markthallen noch ins Rennen. Die fand ich auch super!

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