Und sonst so... Archiv 2020—2024

Bin in Lankwitz, du auch? Oder hast du gedacht, dass ich noch in Kreuzberg unterwegs bin?

Letzteres. Aber in der Not fährt der Teufel auch nach Lankwitz. Deine (?) Baklava-Empfehlungen aus dem letzten Jahr waren jedenfalls traumhaft.

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Wobei man unterscheiden muss zwischen den Ottonormalbürgern und den zuständigen Behörden, bzw. der Politik.
Dass sich erstere so eine Katastrophe nicht an der eigenen Haustür vorstellen konnten kann ich voll verstehen. Und auch ich hätte, wie ich letztens schon schrieb, nicht gedacht, dass hierzulande nur durch starke Regenfälle so dermaßen viele Menschen ihr Leben oder ihr Hab und Gut verlieren. Und das Ende der Fahnenstange ist ja noch nicht erreicht. Unzählige sind noch vermisst und weitere Folgeschäden (Stichwort Trinkwasserversorgung) kommen noch.
Solche immensen Schadensbilder kennt man halt wirklich nur aus entweder nicht so reichen und technisierten Ländern, den USA (wenn mal wieder ein Tornado deren Papphäuser wegfegt) oder bei Erdbeben/Vulkanausbrüchen, o.ä. Mit Ignoranz hat das jedoch meistens eher wenig zu tun.

Mit Sicherheit wurden die betroffenen Leute auch durch den Wetterbericht und z.B. die Nina-App vor Unwettern gewarnt. Aber wahrscheinlich nicht in dem Maße, der für entsprechende individuelle Schutzmaßnahmen gesorgt hätte. Hier in Münster gibt es alle paar Wochen mal eine Warnung der Nina-App vor „SCHWEREM GEWITTER“ oder „EXTREMEM WETTER“. Im Endeffekt gibt es ein normales Unwetter und gut ist. Solche Meldungen lösen also nur noch ein Schulterzucken aus. Davon ab nutzen die wenigsten Menschen diese App.

Da ja nun anscheinend stichhaltige Indizien für ein derartig ausuferndes Unwetter an exakt den Orten vorgelegen haben, hätten die Betroffenen anders gewarnt werden müssen: Lautsprecherdurchsagen, Radio, Fernsehen, Polizisten die die Leute in den Tälern auffordern ihre Häuser zu verlassen, vorsorgliches Einrichten von Notunterkünften, etc. Da kann ich bei den zuständigen Stellen, wo auch immer diese sind, durchaus so etwas wie Ignoranz ausmachen.

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Habe gestern auch bei Sönmez Baklava gekauft, war meine Mutter besuchen. So richtig vermisse ich in Kreuzberg auch nur das Essen, der Rest ist mittlerweile fast schon traurig.

In Lankwitz gibt’s leider nicht so viel, unser lokaler Grieche ist ganz gut. Selbst bei Lieferando findet sich nichts Überragendes. Aber ich werde den Thread öffnen, denn ich habe einen anderen Plan für das Forum.

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Das geht ja schon bei der Einstellung zum Klimawandel los.

Stufe 1: Das war halt n krasser Regen, aber mit Klimawandel hat das nix zu tun.
Stufe 2: Verdammt, ich dachte, der Klimawandel betrifft zur Drittweltländer, aber hier???
Stufe 3: Klar wird das Wetter extremer, aber im Gegensatz zu Drittweltländer dachte ich, die Deutschen können Häuser bauen.

Wenn ich jetzt auf großen Nachrichtenportalen schon wieder Kommentare lese (nicht vom Ottonormalbürger, sondern von Kolumnisten), die schreiben: „hoffentlich kein Fukushima-Moment“, dann muss ich leider annehmen, dass viele immer noch nicht lernen trotz eines solch schlimmen Erlebnisses.

Ja genau. Hoffentlich gibt das den Grünen nicht Auftrieb. Die verbieten nämlich Verbrenner, und Drittautos, und Fleisch, und alles wird teurer. Was soll das denn bitte gegen starken Regen helfen???

Die Leute, die sich jetzt fragen, wie sowas in Deutschland passieren kann, sollten sich lieber ganz schnell drauf einstellen, dass das keine Jahrhundertflut war, sondern in den nächsten 20 Jahren wieder vorkommen wird.

Also ich persönlich wunderte mich nicht über das extreme Wetterereignis an sich. Dass sowas immer wieder auftritt und auch mehr wird, ist keine Frage. Was mich wundern ließ war, dass die Schäden nicht besser abgefedert werden konnten. Über 15 Jahre nach dem großen Elbhochwasser hätte man hierzulande weiter sein können, was beispielsweise sicherere Überflutungsgebiete für Risikoflüsse und effektive Warnsysteme betrifft. Und vor allem hab ich gedacht, dass man besser darin ist die Menschenleben zu schützen. Einem dritten Welt Land fehlen dazu meist die (finanziellen und infrastrukturellen) Möglichkeiten, wir hier sollten die eigentlich haben.

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There’s no glory in prevention.

Es sagt sich halt recht einfach mal eben ne groß angelegte Evakuierung durchzuführen. Sowas geht aber nur wenn die Bevölkerung derartiges auch mit trägt. Das hätte ich mal gerne gesehen wenn man Millionen Menschen prophylaktisch evakuiert hätte, von denen dann 80% vermutlich irgendwo gewohnt hätten wo es nur ein normales Sommergewitter gab. Als hätten so Menschen wie die Frau, die denkt sowas gäbe es nur in armen Ländern, sich in großer Zahl evakuieren lassen.
Ich weiß noch wie vor ein paar Jahren mal weitläufig darüber gelacht wurde als das BMI eine neue Vorgabe veröffentlichte in der Stand wieviel Liter Wasser und Nahrungsreserven jeder Bürger im Haus bunkern solle. Es ist diese Hybris, die sicher auch inden Behörden vorherrscht, die hier das Problem ist.

Ich bin daher auch eher bei Übersteiger und finde das Interview total in Ordnung. Es ist doch viel zu einfach da jetzt irgendwo einen (einzelnen) Verantwortlichen zu suchen und den aufzuhängen.
Dass das mega scheiße gelaufen ist, klar. Dass die Menschen die Wissenschaft ignorieren falls unbequeme Erkenntnisse publiziert werden ist auch nix neues.
Viel mehr sehe ich aber kein Systemversagen, sondern dass unser System eben gar nicht auf derartige Katastrophen ausgerichtet ist. Da sind wir dann wieder beim Ignorieren des Klimawandels und das ist selbstverständlich zu korrigieren. Nur, aus einer gewissen Eigenverantwortung kommt kein Bürger raus, das sagte übrigens auch die Wissenschaftlerin die die deutschen Behörden nun am prominentesten kritisiert.

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Ja, da wird sicherlich zu untersuchen sein, was da hätte verhindert werden können. Trotzdem würde ich fast behaupten, bei der Bauweise in den USA wären locker fünfmal so viele Häuser kollabiert. Ich will nicht sagen, dass wir glimpflich davongekommen sind, aber da sind wir jetzt im Vergleich zu anderen Ländern nicht besonders schlecht aufgestellt glaube ich.

Echt?! :eek: Das ist das, was dich wundert? Naturgewalten erzeugen Schäden, dagegen gibt es kein Mittel.

Die gibt es und sie haben angeschlagen und sie waren präzise und sie wurden kommuniziert an die zuständigen Behörden.

Es gab nie einen Versuch und genau das ist doch der Vorwurf. Sagt mal, habt ihr euch überhaupt eingelesen, von wem welche Warnung in welcher Form an wen kam, bevor ihr mitdiskutiert?

Und hätte es eine Evakuation gegeben und hätten einzelne Helden darauf geschissen, wäre doch jetzt der Aufschrei nicht so groß.

Es darf in meinen Augen nicht sein, das wir die Technologie und Wissenschaft haben, die uns erlaubt, gezielt Katastrophen vorherzusagen (gab es früher nicht) und wir trotz dieser Warnsysteme es nicht schaffen, der Bevölkerung gegenüber zu kommunizieren, dass es hier nicht um potentiell vollstehende Keller geht, sondern um fucking Leben und Tod.

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Ja das wundert mich, denn Mittel gibt es. Überflutungsbereiche und -becken, solide Dämme, mobile und stationäre Sperren, usw.
Irgendwann sind natürlich auch die an ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus. Ich sprach ja auch eindeutig nicht davon Schäden komplett verhindern, sondern davon diese abzufedern. Und explizit meinte ich mit Schäden auch den Verlust von Menschenleben. Und gerade da wäre ein effektives Warnsystem ein geeignetes Mittel.

…und dann war da irgendwo der Wurm drin. Somit war es eben letztlich kein effektives Warnsystem, wenn die zu Warnenden nicht ausreichend gewarnt wurden.

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Ja. Du?
Aus dem von dir oben verlinkten Artikel:

Trotzdem sieht Cloke auch die Bürgerinnen und Bürger in der Eigenverantwortung. Um Notfallpläne, Nahrungsreserven und medizinische Vorräte müsse sich immer noch jeder Einzelne kümmern.
https://www.tagesspiegel.de/politik/monumentales-systemversagen-deutschland-wurde-praezise-gewarnt-die-menschen-aber-nicht/27433034.html=

Aus der Rekonstruktion des wdr:

Dienstag (13.07.2021)
…und längst nicht alle wissen, was droht. Weil nicht jeder Wetterwarn-Apps nutzt oder Medien verfolgt.
Mittwoch (14.07.2021)
… Spätestens jetzt zeigt sich: Die Städte gehen sehr unterschiedlich mit den Warnungen um, die sie erhalten haben. In Düsseldorf wird ein Stadtviertel geräumt - bevor die Düssel über die Ufer tritt. Doch an anderen Orten bleiben Menschen noch in ihren Häusern. Während die Pegel steigen.
Freitag (16.07.2021)
Immer mehr Orte sind betroffen. Am Freitag reißt das Wasser Häuser in Erftstadt-Blessem in die Tiefe. Der Ort war evakuiert - doch nicht alle Bewohner hatten sich daran gehalten.
https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/chronologie-hochwasser-warnungen-100.html

Das zeigt doch, dass versucht wurde zu warnen, an manchen Stellen sogar evakuiert wurde. Ich sagte ja, dass das System an sich besser werden muss. Aber ich sehe hier einfach nicht den riesigen Skandal (außer dass das System halt nicht ausreichend ist, was man hätte vorher wissen können).
Vor allem sehe ich immer noch nicht, was an dem tagesschau-Interview nun problematisch sein soll.

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Ich mein…das ist doch alles nur ein sardonischer Witz auf Kosten von armen Menschen, oder?

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Also ich hab mich nicht eingelesen und möchte nur sagen, dass ich Kommentare betroffener Anwohner, welche nicht ordentlich gewarnt waren, in Richtung: „Sowas kenne und erwarte ich nur aus Drittweltländern, nicht in Deutschland.“ völlig in Ordnung finde.

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Und jetzt Zhengzhou, alles noch viel schlimmer, U-Bahn vollgelaufen, eine Millionenstadt komplett unter Wasser, schlimme Bilder. :frowning:

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Im Kontext der Warnungen, Warnmeldung und deren Inhalt bei sich anbahnenden Katastrophen kann ich euch folgendes Interview ans Herz legen. Geführt mit einem IT’ler, der Teil der AG KRITIS ist.

Zum im Interview erwähnten Cell Broadcast gibt es mittlerweile auch was von der Tagesschau, die mal bei der Telekom rumstochert. Und die erdreisten sich so eine Antwort abzuliefern:

Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte dem ARD-Hauptstadtstudio: „Wir sind Partner der öffentlichen Hand und unterstützen dabei gern. Hierzu braucht es klare Anforderungen und Investitionen.“

Alter :ugly:

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Öh, folgendes: Kann man (als Android-User) nicht nur eine einzelne Rufnummer, sondern gleich ein Bündel (also z.B. alles ab den ersten fünf übereinstimmenden Ziffern) blocken? Ich bekomme seit Tagen Spamanrufe von einem bestimmten Ort, die sich in den letzten Stellen leicht unterscheiden, sodass alles Blocken nichts bringt.

Ich weiß nicht, ob das manche Android Versionen nicht sogar unterstützen, aber mit Apps wie Calls Blacklist sollte das kein Problem sein („Beginnt mit“):

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Tolles Google Widget heute für Olympia im Pixel RPG Anime Style :up:

Bio ist tot. :sob:

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Nochmal bezüglich der vermeidlichen Absurdität des aktuellen Weltraumwettrennens: Eine kleine Kolumne beim Spiegel trifft es ganz gut, dass das auch positive Seiten hat.

Schwanzvergleich im Weltall – kann uns nur recht sein

Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Wer Transportfahrräder für die Zukunft hält, darf sich weiter über Reiche mit Raketenfimmel aufregen. Alle anderen können froh sein, dass Menschen ihren Kindheitsträumen nachjagen.
In der Katastrophenregion Ahrweiler gibt es wieder Internet – »Starlink« sei Dank. Vergangenen Dienstag stellten die Behörden die ersten Schüsseln des neuartigen Satellitennetzwerks auf. Flutopfer können sich mit dem Handy kostenlos einwählen. Ein Rettungshelfer berichtet, der Empfang via Weltraum funktioniere gut.

Ich erzähle die Episode, weil sich derzeit viele Menschen über drei Männer aufregen, die ihr Vermögen für Raketenflüge ausgeben, Virgin-Eigner Richard Branson, Tesla-Chef Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos. Von »größenwahnsinnigen Milliardären« spricht Linken-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow. Das seien »reiche, ältere Männer, die ihr eigenes Ego befriedigen wollen«, urteilte eine »Tagesschau«-Kommentatorin. Halb Twitter ist sich einig: Weiße alte Säcke machen Schwanzvergleich im Weltall – ach, wie ist das peinlich!

Mag sein, dass Branson, Musk und Bezos von männlicher Eitelkeit getrieben sind. Vielleicht haben sie auch zu viel »Star Trek« geguckt. Uns kann es nur recht sein. Sicher ist, dass Musks Raketenfimmel der Grund ist, warum viele Menschen im Ahrtal wieder Netz haben, denn das neue »Starlink«-System gehört zu seinem Weltraumkonzern. Mehr als tausend Satelliten hat er für den Testbetrieb bereits ins All geschossen, mehrere Tausend weitere sollen folgen.

Musks Ziel ist, im Orbit ein schnelles Internet für Privatkunden zu errichten, das jeden Winkel der Erde erreicht. Auch sein Lieblingsfeind Jeff Bezos plant ein satellitengestütztes Internet und steckt Milliarden in das Projekt. Größenwahn? Nun, für westliche Raumfahrtbehörden wie Nasa und Esa, die mit Steuergeld arbeiten, sind Weltraumhotels, Mondkolonien und bemannte Marsmissionen tatsächlich unfinanzierbar. Wenn wir das All nicht den Chinesen überlassen wollen, braucht es verrückte Finanziers wie Bezos und Musk.

Einige sagen, die jüngsten Weltraumausflüge brächten keine neuen Erkenntnisse, seien wissenschaftlich wertlos, umso schlimmer die schlechte Klimabilanz. Ich halte diese Kritik für kleingeistig. Abgesehen davon, dass die Milliardäre die Einmalrakete durch Mehrweg ersetzt haben: Natürlich weiß niemand, wie ihre Reise ins Weltall weitergeht, das macht die Mission gerade so faszinierend. Bei der ersten Mondlandung vor 52 Jahren ahnte niemand, dass uns die Raumfahrt nicht nur ein neues Bild der Erde bescheren würde, sondern auch digitale Fotosensoren, GPS, kratzfeste Brillengläser, feuerbeständige Textilien und die Nutzung spezieller Algen, die für eine Extraportion Omega-3-Fettsäuren in Lebensmitteln sorgen.

Wer Transportfahrräder für das Allheilverkehrsmittel der Zukunft hält, darf sich weiter über Milliardäre aufregen. Alle anderen sollten froh sein, dass es Menschen gibt, die ihren Kindheitsträumen nachjagen.

Quelle

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