Das sagt sich so leicht, wenn man in solchen Berufen unterwegs ist.
Wenn sich in unserem Haus nicht der ein oder andere selbst mit einer leichten Erkältung durch den Dienst schleppt, bricht letztendlich alles völlig zusammen. Es gibt keine Arbeit, die man liegen lassen kann. Und die wenigen Mitarbeiter, die es alleine schaffen müssten, brechen mir dann auch irgendwann mit schwerwiegenderen Dinge zusammen.
Fallen dennoch weitere Kollegen aus, wird weiter geflickschustert. Von Leiharbeitsfirma sieht die Klinik konsequent ab.
Aber vielleicht wird dann wieder abends um 21:00 Uhr für uns geklatscht
Da hast Du Dir ja die Antwort perfekt selbst gegeben, NATÜRLICH gibt es Ausnahmen, vor allem in Pflegeberufen. Verzeih mir aber wenn ich es trotzdem nicht gut finde, wenn zb meine Mutter als Altenpflegerin mit einem grippalen Infekt zur Arbeit geht, auch wenn sie dann natürlich immer Maske getragen hat. Da sind die Pflegeeinrichtungen einfach viel mehr in die Pflicht zu nehmen, warum die überhaupt in privaten Händen sein müssen… dont get me started.
Das finde ich so jetzt echt nicht in Ordnung, es war immerhin 18:00 Uhr! Ich klatsch doch nicht mitten in der Primetime
Ich bin bei sowas leider immer ziemlich schnell ziemlich zynisch und lande bei „selber schuld“. Solange Mitarbeiter da nicht konsequenter den Arbeitgeber unter Druck setzen sind die Chancen auf Veränderung doch eher gering, oder? Auf der anderen Seite wundert mich aber auch, wie wenig die Medien z. B. im Blick haben, dass in Berlin seit gut vier Wochen die Charité und Vivantes-Kliniken bestreikt werden. Unter anderem geht es wieder darum, die Personaldichte zu erhöhen und nicht nur eine bessere Bezahlung zu bekommen. Das würde im ersten Schritt die Arbeitsbelastung ja schon um einiges verringern.
Das Problem ist hier doch nicht „leisten können“. Natürlich spielen da Dinge wie gewerkschaftliche Organisation, etc. rein, aber der Hauptgrund weshalb erna und Kollegen nicht streiken (können), ist einfach das moralische Dilemma, in das sie hier gezielt manövriert werden.
Wenn Lokführer streiken, dann kommen Menschen eben nicht von A nach B (und selbst dann ist der öffentliche Aufschrei schon riesig und das Verständnis sehr begrenzt). Wenn die Erzieher streiken, haben die Eltern Betreuungsstress. Alles unschön, aber handlebar.
Wenn Pfleger streiken, sterben Menschen. Und das kann und möchte einfach kein Mensch verantworten. Und deshalb werden hier in letzter Konsequenz immer die nachgeben, deren moralischer Kompass noch funktioniert. Und dass sind in der Pflege nunmal die Mitarbeiter und nicht die Unternehmen.
Die Pflege ist in Deutschland wohl ähnlich im Arsch wie in der Schweiz. Abgesehen dass die Fachkräfte ausgehen (wer will denn bei dieser Bezahlung und bei diesen Arbeitsbedinungen noch arbeiten, ständig einspringen und in der Freizeit angerufen werden), verlassen immer mehr den Beruf. Und wer nicht auf ein 100% Pensum angewiesen ist, arbeitet auch nicht so viel. Das war schon vor Corona so und wurde dadurch nur noch verstärkt. Das Problem ist hausgemacht, nur lässt es sich nicht so richtig lösen. Denn obwohl alle die bestmögliche Gesundheitsversorgung wollen, ist es immer wieder ein Orkan, der da kommt, wenn z.B. die Krankenkasse teurer wird. Daran würde auch ein Streik nichts ändern. Der Pflegenotstand ist schon lange bekannt und wird sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen.
die pflege ist natürlich problematisch, aufgrund der moralischen wertigkeit dieser arbeit.
aber dieses problem, dass es zu wenige arbeitskräfte gibt haben ja mittlerweile alle. auch in meinem konzern können die folgen mittlerweile durchaus dramatisch sein. dumm, dass die leute hier, gar nicht checken, dass wir dringend zuzug brauchen, damit überhaupt die arbeit gemacht werden kann.
und dann kuckste auf twitch und youtube, und siehst so viele leute, die genug geld damit verdienen, dass ihnen jeden tag ca. 100 leute bei irgendnem quatsch zuschauen.
In etwa so viele wie beim Streik im Personen- oder Flugverkehr. Wie Foxo schon sagte, „leisten können“ ist doch das geringste Problem.
Moment mal. Wir reden hier ja nicht von einem Generalstreik, bei dem jede Pflegekraft die Arbeit niederlegt. Da braucht es natürlich einiges an Organisation durch die Gewerkschaften und Co. Aber bei den letzten Streiks in der Charité zur Erhöhung der Personalschlüssel hat es doch schon funktioniert. Mich wundert, warum das bundesweit nicht auch in größerem Ausmaß funktionieren soll. Nicht zeitgleich, Schritt für Schritt. Und natürlich bleibt immer eine Notbesetzung auf den Stationen. Wie gesagt, die Charité zeigt ja, dass das funktionieren kann (man sollte natürlich nicht außer acht lassen, dass die Charité da wahrscheinlich ein Extrembeispiel wäre).
Ich sehe ansonsten leider nicht, wie man die Arbeitgeber da besser in die Pflicht nehmen kann um was an den prekären Arbeitsbedingungen zu ändern. So läuft es doch wahrscheinlich darauf hinaus, dass immer mehr Pflegekräfte am Ende des Tages das Berufsfeld komplett verlassen und das wird auf lange Sicht ja noch schlechter sein.
Die Pflege ist immer ein heikles Thema. Angeblich ist man immer darum bemüht, im Beruf attraktiver zu machen. Unter anderem auch die geplante Akademiesierung, sprich man kann neben der Ausbildung noch ein Studium begleitend machen. Aber mal ehrlich, welcher motivierte Mensch, der ein Studium angehen möchte, wird dieses ergreifen, um letztlich unter den Umständen in der Pflege zu arbeiten?
Und ein Streik ist immer leichter gesagt, als umgesetzt. Es gab schon einige Streiks, dann wird die Station auf absolutes Minimum runter gefahren, woanders stellen sich welche mit der Trillerpfeife hin, und am Ende hat sich nichts bewegt. Deshalb kann mich Verdi auch kreuzweise. Aktuell klammern sich viele an die neu ins Leben gerufen Pflegekammer, aber ob diese Perspektive wirklich was ändert, bleibt abzuwarten.
Und auch da würde ich gern noch mal auf Corona zurückkommen, wo ist die Wertschätzung? Selbst wenn wir alle Stellen besetzt hätten, wäre es nicht genug, weil es das Budget nicht hergibt.
ich finde es spricht für liefers, dass er diese aktion (#allemalneschichtmachen) mitgemacht hat. und gut, dass er darüber berichtet. und noch besser, dass es in der bild steht.
So ein Spasti. Wenn ich seine privilegierte Fresse schon sehe, wie er sich öffentlichkeitswirksam da auf der Intensivstation inszeniert. Erst so eine Scheisse labern bei dieser räudigen Aktion vor ein paar Monaten, dann den Geläuterten geben, wenn man mit 38 Kamerateams mal für ein paar Stunden so tut, als würde man einen Einblick in den beruflichen Alltag dieser Menschen gewinnen.
Fick dich, wirklich. Wie ich sowas hasse.
Edith: Keine Kamerateams dabei gewesen? Streicht den Teil aus dem Protokoll, den Rest kann man so stehen lassen.
Passenderweise gibt’s dazu heute einen Zeit Online Artikel mit einer Hebamme, der den Satz ein bisschen aufgreift.
Und dann deutet der Konzern auch noch an, dass wir mit unseren Aktionen die Patientinnen gefährdeten. Das macht mich richtig wütend. Denn wir machen das ja nur, weil wir jeden Tag ohne Streik die Patienten in Gefahr bringen.
E: Noch ein Nachtrag zum Streik an den Vivantes Kliniken:
Nee, ist auch gut jetzt. Menschen mit Verstand hören sich das Geschwurbel seit anderthalb Jahren an, ich habe da auch überhaupt keine Geduld mehr. Liefers ist ein ganz kleingeistiger Mann, der glaubt, wahnsinnig tiefsinnig zu sein und es geil findet, sich zu inszenieren und dem Applaus aus jeder Ecke recht ist.
Ich bin da ganz bei @uglywolf: Liefers & Co., fickt euch.
das ist schon alles klar was ihr meint, aber wenigstens hat er was anderes getan, aus welchen beweggründen auch immer. und wenn er in seiner blase sowas teilt, kann das zumindest nicht negativ sein.
Warum müssen denn immer die Leute, die auf der richtigen Seite sind, auf AfD, Coronaleugner etc. zugehen? Warum müssen „wir“ immer in den sauren Apfel beißen und der Klügere sein, der dann nachgibt? Warum muss man sich absolut bescheuerte Verschwörungstheorien anhören, wie z. B. dass die Erde flach ist und muss dann trotzdem derjenige sein, der versucht Verständnis für solche Leute aufzubringen?
Warum darf man nicht irgendwann sagen, ich ertrage das ganze Geschwurbel einfach nicht mehr?
Ist das nicht diese viel zitierte false balance, von der neuerdings alle sprechen? Ich muss Verständnis aufbringen für Leute, die wenn sie was zu sagen hätten (Die Basis), Millionen Menschen sterben lassen würden, nur damit sie keine Maske mehr tragen müssen, aber darf nicht erwarten, dass sich die andere Seite auch mal aus ihrer Fake News Blase herausbegibt?