Was lange währt, wird endlich gut. So, oder so ähnlich. Realistisch betrachtet habe ich nur endlich genug Zeit gefunden, um während der Arbeit alle vorherigen Dinge wie Draft, Spieltagsergebnisse und Waiver Claims durchzugehen 
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was die ursprüngliche Projection war. 11-3? 10-4? Yahoo hatte mir für den Draft noch ein B+ gegeben, meine Wunschpicks wurden aber so gut wie immer von Berba vor der Nase weggeschnappt. Nachdem im letzten Jahr die Projections und die Draftbewertung gut ausfielen, die Season dann aber eine totale Katastrophe war, habe ich nicht wirklich was drauf gegeben.
Und was soll ich sagen? Ein ausgeglichener 7-7 Record in der Regular Season deutet oberflächlich auf ein mittelmäßiges Team hin. Die Zahlen dahinter sprechen aber eine ganz andere Sprache. 2287,65 erzielte Punkte (ligaweit Platz 2) bei 2481,10 Potential Points (Platz 3) und nur 13 $ an eingesetztem FAAB. Die Differenz von nur 193,45 Punkten zwischen Potential und tatsächlichen Punkten ist im Ligavergleich sogar die beste Ausbeute. Spoiler: Ich habe am Ende, trotz 7-7 Record in der Regular Season den Titel geholt. Die Tabelle lügt nicht? Tut sie ständig. Auch, wenn mir hier natürlich das amerikanische Play-off-System zu Gute kam.
Ich hatte weiter oben schon geschrieben, dass ich mit dem Draft mehr oder weniger zufrieden war. Einen Teil meiner ursprünglich anvisierten Spieler wurde mir knapp vor der Nase weggeschnappt, unterm Strich war das aber schon ordentlich. Und anders als im ersten Jahr habe ich mir diesmal tatsächlich mehr Gedanken über den Draft gemacht als nur nach ADP zu gehen. Gibbs an 1.03, danach Chase Brown, JSN, Courtland Sutton, Breece Hall, Bo Nix und (mit Abstrichen) später Travis Kelce. Substanz war von Anfang an vorhanden und ich hatte gehofft, nicht schon früh in der Saison Schadensbegrenzung betreiben zu müssen.
Der Start in die Saison war trotzdem nicht gerade hübsch. Nach sechs Wochen stand ein 2-4 zu Buche. Das ist normalerweise der Bereich, in dem viele anfangen, komplett durchzudrehen, jede zweite Position austauschen und sich dann wundern, warum das Team noch schlechter wird. Ich habe stattdessen ein paar sinnvolle Korrekturen gemacht: in Week 6 kam die Colts Defense, Chris Boswell und Jaxson Dart, dazu ein paar saubere Roster-Bereinigungen. In Week 7 dann direkt der Kicker-Wechsel zu Eddy Piñeiro. Also kein Drama, kein Aktionismus, nur ein bisschen Instandhaltung. Und prompt kamen 207,45 Punkte. Offenbar hilft es, wenn man weiß, was man tut.
Die Wochen danach haben im Grunde bestätigt, was schon vorher sichtbar war. Das Team hatte definitiv Potential. Week 8 war ein knapper, aber wichtiger Sieg mit 180,55 Punkten. Danach kamen wieder ein paar kleinere Rückschläge, aber nie der Punkt, an dem der Kader grundsätzlich schlecht aussah. Selbst die Niederlagen waren oft eher nervig als alles andere. In Week 12 z. B. 206,05 Punkte aufzulegen und trotzdem gegen 216 zu verlieren (schöne Grüße erneut an @Colt
), ist keine schwache Woche. Das ist einfach Pech mit Ansage. Wenn man in so einer Woche verliert, sitzt man danach entweder jammernd da oder baut das Team weiter sauber auf. Ich habe mich für die weniger peinliche Variante entschieden (und innerlich trotzdem geflucht).
Entsprechend kamen dann die nächsten Anpassungen. In Week 12 zurück auf die Detroit Defense, dazu Chase McLaughlin und Jacoby Brissett. In Week 14 dann Jeffery Simmons und Khalil Mack. Kein krasser Aktionismus sondern im Rahmen des Möglichen schauen, wo man noch eine Stellschraube anpassen kann. Während andere wahrscheinlich noch über „Momentum“ oder irgendeinen Unsinn gesprochen haben, wurde hier schlicht das Lineup verbessert. Week 14 endete dann auch folgerichtig mit 185,80 Punkten. Der Record stand zwar nur bei 7-7, aber das Team war da längst unangenehm geworden.
Der eigentliche Punkt, an dem die Saison gekippt ist, kam dann in Week 15. Kyle Pitts sowie die Chiefs Defense per Waiver und, noch wichtiger, Brock Purdy für 3 $. Das war der Moment, an dem aus einem guten Team ein Titelteam wurde. Nicht, weil vorher alles schlecht gewesen wäre, sondern weil kurz vor Schluss noch genau die richtigen Teile ergänzt wurden.
Und ab da war es dann auch recht eindeutig. In der Wildcard Round 199,10 Punkte gegen Ridler. Im Halbfinale 196,15 Punkte beim Wiedersehen gegen Colt, inklusive 43,85 Punkten von Purdy. Im Finale 212,55 gegen Logilas. Drei Play-off-Spiele, drei Siege, 607,80 Punkte. Das ist ein Team, das rechtzeitig in Form war und dann einfach durchmarschiert ist.
Unterm Strich war das also keine Saison, in der ein 7-7-Team irgendwie zufällig in den Titel stolpert. Es war ein gut gedraftetes Team, das nach einem durchwachsenen Start ruhig geblieben ist, seine Moves zum richtigen Zeitpunkt gesetzt hat und in den Play-offs dann jeden aus dem Weg geräumt hat, der noch übrig war.