Und darauf erstmal bei Lieferando im Franchise-Unternehmen bestellen. 
Ich bin da auch ein bisschen ins Hasenloch gefallen. Aber ich musste noch etwas mehr zerdenken, warum diese Reportagen so ein Sehnsuchtsort sind im Turbokapitalismus. Und anknüpfend an die unvernünftigen Alltagssünden aus dem Umfragethread, warum wir oder zumindest ich nicht öfter hinbekomme lieber Pommes bei Schorschs Schrippenscheune zu holen als zu Subway. Natürlich brauch ich auch einen Hipstermagen, der keinen Handwerkermahlzeit braucht. Aber im Grundsatz wollen wir doch alle kleine, mit Herz geführte Läden, die nicht business-optimiert sind, handeln aber danach nicht sobald es minimal anstrengender, teurer oder sonst was ist. Mich beschäftigt generell gerade das Thema Kollektivmacht und wie wenig wir sie nutzen. Wir, 99%, nicht Elite, können durch unsere Kaufkraft konsequent ausgelegt ja doch relativ viel formen selbst bei absolut unverhältnismäßien politischen Rahmenbedingungen und natürlich nur solange wir das große Spiel trotzdem mitspielen, das nehm ich jetzt mal als bittere Realität so hin. Aber irgendwie schaffen es die 1% uns massenpsychologisch aufzuoktroyieren, was Trend sein soll, dann machen es wenige vor und viele nach und dann haben die Ficker plötzlich sogar sich legitimiert dadurch. Während wir es umgekehrt gar nicht mehr schaffen Dinge, die mehrheitsfähig sind gesellschaftlich so konsequent einzufordern, dass Unternehmer oder Gesetzgeber keine Wahl haben als nachzugeben. Vielleicht gibt’s da nocht konstruktive Bewegungen.
Zurück zum Sehnsuchtsort Nordreportagen.
a) Es ist i.d.R. das gute alte Deutschland. Fleißige, ehrliche Leute reißen sich den Arsch auf und kommen damit über die Runden. Begegnen Leuten auf Augenhöhe, bieten Essen günstig an, sehen aus wie Oma und Onkel, werden selbst nicht reich dabei. Ob es dieses Deutschland je in der Breite gab, weiß ich gar nicht, aber es ist die Friedensjahre Kapitalismus Aufsitegs-Erzählung, die Fundament der 3er-BMW-Reihenhausmittelschicht wurde und die jetzt dessen Zerfall in der Folgengeration beiwohnt und verAFDt.
b) Es ist vor allem ein Gedankenurlaub. In diesen Randgebieten mitten im Nichts zu leben, wo der Imbiss die einzige Anlaufstelle ist und die Leute, die dort sind vereinsamte Rentner:innen oder in Monogamie mit der Bierflasche lebende Dauercamper sind über die ich mich sonst aufrege im Hass-Thread, weil sie ihre Engstirnigkeit zur Daseinsberechtigung hochjazzen - in der Realität wäre das absolut schlimm für mich. Als halbstündige Doku ist’s eine Oase. Weil es ist in der Oberfläche das Grundbedürfnis nach friedlichem sozialen Kreis. Jeder mit jedem, die Gespräche alle ohne Ecken und Kanten. „Man kennt sich“. Nicht zu politisch. Nicht zu persönlich. Die wohlige Routine. Imaginäre Urlaub vom hektischen Alltag. Bei „fest und flauschig“ werden diese Dokus ja auch immer exzessiv umschwärmt und ich würde mutmaßen, dass die Schwärmerei vor allem bei denjenigen anfällt, deren Alltag eher belebte Großstadt ist.
Weiß nicht genau, wo ich mit der Ausführung hinwollte, aber ich musste der Faszination dafür, die ich selbst auch wahrnahm, auf den Grund gehen. Ich glaub im Inneren offenbart das unsere Sehnsucht nach harmonischem Gesellschaftstreiben in kleinen Kreisen mit ehrlichen, einfachen Leuten. Obwohl die Grenzen immer schnell aufgezeigt werden, denn was alle eint ist bei den herzlichen Umschreibungen der treuen Kundschaft ist, dass spätestens das 2. Argument ist: „Und zu dem Preis…“ - und da grätscht am Ende dann nämlich leider auch sofort das KO-Kriterium für solche vermeintliche Oasen des menschlichen Unternehmertums dazwischen, denn so ein bisschen sind wir natürlich auch in der Lage solche Ort zu erhalten. Aber klar, wenn’s nach mir geht zahlt jeder neue LIDL 10% kleine-Laden-erhaltungssteuer und jede Region legt selbst fest, dass Ladenzeilen zu X% aus Unternehmer:innen im Umkreis von 10km belegt werden sollen. Politisch ist der Hebel natürlich ein größerer, aber da kommt erstmal demnächst nichts Gutes mehr. Da müssen wir selber ran.