Der Politik Thread - Archiv 2020—24

Was ich nicht verstehe ist inwiefern deine vor Strohmännern nur so strotzende Rage-Argumentation jetzt zielführender sein soll als das, was dende82 geschrieben hat. Wo du ihm vorwirfst, gegen „die Linken“ als Ganzes zu argumentieren, keilst du ähnlich schwammig gegen die diffuse Masse derer, die du als „Linke sind an allem schuld“-Schreihälse wahrnimmst, statt konkret auf irgendeinen von seinen Punkten einzugehen.

Ist das wirklich so schwer, solche Fälle wie z.B. den von FFF und Ronja Maltzahn einfach mal auf einer Ebene zu nachzuvollziehen, auf der auch Leute mitkommen, die nicht im turboalternativen Milieu sozialisiert wurden? Recap:

Klar kann man da den großen historisch-kulturellen Bogen spannen und Kolonialismus, Rassismus, Aneignung usw. ins Boot holen. Ist nicht völlig an den Haaren (höhö) herbeigezogen. Mindestens genauso erlaubt muss es aber sein, FFF für ein bisschen geisteskrank zu halten, wenn sie einer Künstlerin (die offensichtlich deren politische und gesellschaftliche Ziele teilt) extrem kurzfristig absagen, und das einzig und allein mit dem Aussehen der Frau begründen - verbunden mit der schamlosen Bemerkung, dass sich die Dame ja einfach ihre Dreads abschneiden, sich damit den ästhetischen Erwartungen Dritter anpassen, und so ihren Auftritt retten könnte. Spätestens da fasse ich mir ans Hirn und frage mich, wie Linke - die sich meines Wissen u.a. solche Ziele wie Toleranz, Feminismus und damit verbunden die Selbstbestimmung der Frau auf die Fahnen geschrieben haben - dafür Applaus spenden können. Ein ziemlich gruseliges und überhebliches Selbstverständnis.

Wenn Dreads an Weißen kulturelle Aneignung sind, dürfte es eine weiße Reggae-Band genauso sein, auch ohne Dreads. Wie sieht’s mit dem Blues aus, der seine Wurzeln u.a. in Klageliedern über die Plagerei der Sklaven auf den Baumwollfeldern hat - mit welchem Recht sollten weiße Musiker z.B. dem FFF-Mindset nach noch Blues spielen dürfen? Müssten sich die Beatles heute einen Shitstorm dafür gefallen lassen, traditionelle indische Musik in ihre Musik einfließen zu lassen, während sie damals dafür gefeiert wurden, dem Westen diese Kultur näherzubringen? Klar öffne ich hier jetzt Tür und Tor für sowas wie „Hypochonderjunge sieht Kulturkrieg gegen Weiße heraufziehen“, aber vielleicht könnten wir nur ausnahmsweise mal auf der diskutierten Ebene bleiben. Denn wo, wenn nicht in diese Richtung, führen solche Entwicklungen denn hin? Denkt man diese Ideologie zu Ende, führt das - da hat dende82 m.E. recht - zu separierten kulturellen Schubladen, deren Durchmischung geächtet wird und deren Mitglieder primär nach Äußerlichkeiten und Ethnie einsortiert werden - und das unter kräftigem Zuspruch von links. Das ist deswegen keine rechtsextreme Ideologie, die Formulierung schießt natürlich übers Ziel hinaus - aaaaber: Zumindest ist der Gedanke nicht völlig abwegig, dass der sich immer weiter verstärkende Eindruck von „man kann den Linken einfach nie korrekt genug sein“ zu zunehmender, selbstbefeuerter Entfremdung von dieser politischen Denkrichtung führt - und die Alternativen, zu denen solche Leute dann abwandern könnten, sind überschaubar.

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Was ich bei Cultural-Appropriation-Leuten immer irritierend finde: In der Praxis ist das in der Regel selbst eine total krasse Form von eurozentrischem Denken. Wenn die von Cultural Appropriation sprechen, dann stellen sie sich immer die Übernahme kultureller Praktiken und Objekte nichtwestlicher Kulturen durch westliche Menschen vor, weil „der Westen“ und „die global herrschende Kultur“ einfach ewige, kontextunabhängige Synonyme sind. Die können sich weder in der historischen Rückschau noch in Blick auf die Zukunft eine Welt vorstellen, in der die westlichen Staaten keine total dominante Rolle spielen. Dabei ist diese globale Dominanz des Westens eine relativ kurze historische Episode, die erst im 19. Jahrhundert voll ausgebildet ist und seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon wieder kontinuierlich zu schwinden beginnt. Schon heute ist außer den USA kein westlicher Staat eine wirklich erstrangige Macht mehr, und wenn die EU trotz ihrer politischen und militärischen Zersplitterung auch noch, besonders in Afrika, ein wichtiger imperialistischer Akteur sein mag, ist doch absehbar, dass in wenigen Jahrzehnten alle europäischen Staaten global unbedeutend geworden sein werden. Wenn bis dahin kein Weltkrieg ausbricht, keine gewaltige Naturkatastrophe ausbricht oder der Kapitalismus kollabiert, wird China in einigen Jahrzehnten ohne Zweifel die größte imperialistische Macht der Welt sein und damit auch die chinesische Kultur, zumindest in Asien, die vorherrschende Kultur werden, an der sich Eliten und solche, die es sein wollen, allgemein orientieren. Cultural Appropriation wird es dann sein, wenn chinesische Bürgerkinder irgendwelche Modestile und folkloristische Elemente aus schwachen vom Hegemon China abhängigen Peripheriegebieten, wie Indien oder Südostasien, aus Lifestylegründen tragen, und Cultural Appropriation wäre es dann, wenn die herrschende Klasse Chinas in den Urlaub in die putzige, disney-pittoreske Zwergstaatenwelt Europas fährt und als Urlaubsunterhaltungsprogramm gerne ein bisschen Folklore und Trachten der irgendwo im 20. Jahrhundert steckengebliebenen Einwohnern sehen will - und auch in diesem Fall wäre daran natürlich nichts Schlimmes, oder wer leidet darunter, wenn ein chinesischer Bourgeois sich als lustigen Modeeinfall einen Tirolerhut oder eine Baskenmütze aufsetzt und Edith Piaf hört? Vertreter des Cultural-Appropriation-Gedankens verstehen darunter meistens einfach „Verhöhnung nichtwestlicher Kulturen durch den Westen“, aber sie sehen nicht, dass die Übernahme folkloristischer Versatzstücke durch andere Gesellschaften ein allgemeiner historischer Vorgang ist, der gar nichts spezifisch Westliches an sich hat.

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Von was zur hölle redet ihr da eigenlich?

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Michail Gorbatschow ist tot.

RIP.

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Die Umwelthilfe klagt jetzt auf jeden Fall mal wieder gegen das Verkehrsministerium

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Darum ging es mir gestern in erster Linie als mir die Hutschnur geplatzt ist, hatte dann auch nicht viel zu Cultural Appropriation geschrieben. Finde actual appropriation viel besser. Ich wollte auch niemanden persönlich, nur dieses wirklich bestürzende Argument angreifen, im Ton war das nicht so zielführend.

Ich bin insofern bei dir, dass das taktisch keine gute Idee ist, große moralische Hürden der Korrektheit als Eintritt für emanzipatorische Politik aufzubauen, anstatt über die Herkunft und Verteilung gesellschaftlichen Reichtums und dessen Nachhaltigkeit zu sprechen.

Wie stc richtig andeutet, sind das detailverliebte, oft moralisch aufgeladene und wie mnm richtig sagt, westliche Diskurse, mit denen die wenigsten Menschen in ihren Verhältnissen bewusst zu tun haben. Gerade nicht bei den Dreadlocks. „Du musst die Leute am Geldbeutel packen“ sagt mein Vater.

Allerdings kommt der Eindruck einer wie auch immer verlangten Korrektheit durch das mediale Framing. Es läuft die outrage machine über die verrückten interlektuellen Linken (meistens sind es aber gar keine Linken, sondern Grüne), die immer neue Verbote sich ausdenken. Im Gegensatz dazu gibt es breite gesellschaftliche Unterstützung für Vergesellschaftung, Umverteilung, Gleichstellung. Bei der These, die Wocken treiben die Menschen nach rechts kommen wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Für mich ist es Ende, und damit soll es das dazu auch von mir gewesen sein ist es die ewiggleiche ideologische Leier von, „die wollen Euch was wegnehmen“.

Villen_Tessin

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Verfolge das auch gespannt. Was ich zuletzt hier gepostet habe passt auch weiterhin.

Diese Partei ist ein Ärgernis. Das ist auch wirklich nur ne CDU/CSU/AfD Splitterpartei für Leute, die primär auf Kohle aus sind und keine humanitären Gründe vorschieben für ihre Politik-Karriere.

Viele reden ja davon, dass das Verkehrsministerium ein Auto-Lobby-Ministerium sei. Dabei vergisst man gerne wieviele Milliarden in das versumpfte, korrumpierte „DB“-Privatisierungsdesaster geflossen ist. Und da habe ich jetzt heute von nem 2 Milliarden Loch gelesen. Ich empfehle dazu gerne mal die schon etwas ältere aber immernoch aktuelle Anstalt-Folge.

Das wird noch ein lustiger Spätherbst mit den neon-faschisten.

https://twitter.com/c_lindner/status/1564891766230237184?s=20&t=C31GLjsyASuvDmYrX9IBEg

„Jetzt sind die Länder dran“

Deutschland März 2063
Nach jahrzehntelangen zähen Verhandlungen haben die 14 Bundesländer (Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern existieren nicht mehr weil abgesoffen) auf ein bundesweit einheitliches Ticket wie es vor fast 40 Jahren schonmal für 3 Monate existiere geeinigt. Der Preis solle dieses mal allerdings 99€ im Monat betragen sagte Tobias Lindner (Sohn von Christian Lindner) am Montag auf der Bundespressekonferenz.

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#WissingWirkt? :uconf:

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Natürlich - nur halt nicht so, wie Lindner denkt.

Niemand nennt sein Kind mehr Tobias.

Daher ist es bei Lindner umso realistischer…

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Ströbele ist ebenfalls, bereits am Montag, verstorben.

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https://twitter.com/heuteshow/status/1564926745068830721?s=20&t=Jh8xWxBfw4FXYc7lFGvMRw

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Also ich muss vorher wahrscheinlich erstmal nen kurzen Disclaimer platzieren weil ich bei Lindner mittlerweile einfach nicht mehr objektiv sein kann dieser kleine Knilch und Sohn einer Herzensguten Frau löst so eine Wut in mir aus, dass ich es mittlerweile vermutlich sogar schlecht fände, wenn er den Welthunger beenden würde.

Aber allein diese paar Zeilen Tweet zeigen schon wieder, dass diese Idiotenpartei mit ihrem Trottelminister einfach nicht versteht oder nicht verstehen will, worum es geht.

Danke. Aber müsste es nicht andersrum laufen? Müsst man nicht sagen „Okay, den Bürgern kann man x Euro Belastung zumuten für so ein Ticket. Also müssten bei y Tickets insgesamt z Euro irgendwie finanziert werden.“. Und DANN müssten Bund und Länder gucken, wie viel zusammen kommt. Der Ansatz, der da beschrieben wird läuft doch darauf hinaus, dass Bund und Länder (irgendwann mal) x Euro locker machen und dann wird das Ticket halt einfach so viel kosten dass es sich die Hälfte der Menschen wieder nicht leisten kann.

Danke Christian. Das sind aber beides nicht die Eigenschaften, die das NEUN EURO TICKET DAS SEINEN VERFICKTEN USP SOGAR IM NAMEN TRÄGT!!! so beliebt gemacht haben.

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Warum überhaupt Tickets, Chrissi?! :smiling_face:

Ganz einfach, weil Wissi den Chrissi überzeugt hat.
Zumal dieses „bundesweit nutzbares und digital buchbares“ Ticket doch schon längst verfügbar ist. Nennt sich BahnCard100, ist sogar für den Fernverkehr geeignet und kostet für Normalsterbliche nur läppische 4144€ p.a. Wenn das nicht mal ein guter Deal ist, der den Bund nur ein „Bruchteil der Finanzmittel“ kostet .

Ist aber auch ein echt guter Preis vom Marketing so. Klingt ja echt gut und hart kalkuliert :grin:

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Das ist übrigens ein Foto, wie Top-Secret Dokumente der Vereinigten Staaten in Mar-A-Lago „gelagert“ wurden.

Währenddessen hat Trump einen Anwalt engagiert, den er im Fernsehen gesehen hat und der tatsächlich „Jim Trusty“ heißt und ich denke, er wird irgendwo dazwischen liegen:


Die Gerichtsverhandlung wird so großartig, ich glaub dafür muss ich mir Urlaub nehmen…

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Nicht berücksichtigt ist dabei noch die aktuell laufende Rabattaktion: Alle unter 27 und alle über 65 sparen aktuell 50%! Das sind dann nur 2664€ als Einmalzahlung. Das entspricht lediglich 3 Monatszahlungen des Bafög-Höchstsatzes bzw. einer mäßigen Rente.

Dafür kannst du dann aber gratis mit der Bahn an jeden Ort fahren an dem du dir dann nichts mehr leisten kannst.

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