Falls sich jemand noch an mein Intermezzo mit der japanischen Fußballmannschaft in Düsseldorf erinnern kann - ich bin an dem Thema dran geblieben, regelmäßig dort hin und habe da wirklich Freude dran.
Sich Sonntags schön 2 Stunden abquälen, sich dabei die Hälfte der Zeit wundern warum ich mir im eigenen Land ein Team aussuche dem ich kommunikativ nicht folgen kann und dann halt … Fußball spielen, da reichen ja nun wenige Worte, insofern eigentlich wiederum halb so wild.
Letzte Woche dann bei ein so 'nem übermotivierten Sprint noch irgend 'nen Oberschenkelmuskel in Mitleidenschaft gezogen, der es bis heute nicht so recht geschafft hat zu regenerieren. Trotzdem hingefahren, dachte mir: „Wenn’s nicht gehst, hörst halt auf.“
Spielen immer in 4 Sektionen a 30 Minuten, also zwei Stunden gut Power. Nach dem dritten Viertel schon extrem am Ende der Kräfte die kurze Pause zum durchatmen genutzt - Wasserpulle natürlich im Auto vergessen, als ich sehe, dass am Spielfeldrand mit zwei japanischen Mitbürgern kommuniziert wird, die sich in Jogginghose einen kleinen Fußball hin- und herbalancieren.
Nach kurzem Dialog ziehen sich beide jeweils eine Teamfarbe an und treten der letzten Runde bei. Ich denke mir, dass es natürlich nicht optimal ist jetzt alt, mit leichtem Wanst, dem nah am quittierenden Oberschenkel und dem zusammengeschraubten Knie einen frischen Spieler jetzt noch permanent anlaufen zu müssen, versuche mir aber in einer Mischform aus Arroganz und Übermut Courage einzureden und sage mir, dass ich den Kollegen in Jogginghose jetzt sicher auch noch 'ne halbe Stunde packe.
Die Folgen dieser fälschlichen Annahme waren: Diverse Male auf traurigste Art düpiert werden, dabei als Gegenspieler abgeschüttelt werden wie eine Schmeißfliege, keinen einzigen Fuß zwischen diesen entspannten Typen und den Ball zu bekommen und nach 2-3 aus dem Fußgelenk geschüttelten Traumgegentoren mich fragend, was denn hier jetzt gerade quer läuft. Tiefenentspannt sendet der Kollege Traumpässe aus dem Skalpellrist in den Äther und gibt nach dem Schlusston freundlich shake hands und macht mit 2-3 Kollegen aus der Mannschaft Selfies …
Selfies?
Verdutzt laufe ich zu einem Mitspieler rüber von dem ich weiß, dass ich auf Englisch mal 'ne Frage stellen kann und wage mich verschämt vor mit der Anmerkung: „Sorry … wer ist denn das?“
„Ach so, ja … kennst Du „Ko Itakura“? Spielt bei Gladbach - Nationalspieler.“
Ach, okay. Ich tauch da mit komplett zerschossener Muskulatur auf, quäle mich nach der Arbeit 90 Minuten durch die Schose durch und zur Belohnung wird man dann, die letzten Kraftreserven sammelnd, noch 'n halbes Stündchen von 'nem Bundesligaspieler düpiert.
Ja, gut, was soll man da noch sagen - mir den Salzrand aus den Mundwinkeln leckend husche ich - das hauteng anliegende Leibchen in Größe XS noch tragend - schnell an den Rand des Gruppenfoto und blicke als Quoten-Gajin mit verdutztem Blick und irritierten Gedanken in die Kamera die diesen Moment festhält, in dem eigentlich irgendwie nichts so recht zusammenpasst.
(Den Farbeimer bemüht bei allen außer mir und Mr. Mönchengladbach, ist aus 'nem privaten Messenger.)
Schräg.