SofaSchach Runde 1

h3-h4

Turm h2-e2 - Schachmatt

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Jepp, Glückwunsch! Haben versucht, das Unvermeidliche durch Aussitzen zu verzögern, aber da keiner auf das faire Angebot eines Unentschiedens eingegangen ist…

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Jetzt bin ich wirklich gespannt auf die Analyse.
Gerade was den ein oder anderen intern kontrovers diskutierten Zug anging.

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Weiß: Daniel84, Remsen, mr_maniac, Uebersteiger
Schwarz: Splashi, Macl, Ricken, AXU, Gordon

Schwarz gewinnt.

Glückwunsch an das siegreiche Team. Eine ausführliche Analyse folgt.

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DIE SOFASCHACH RUNDE 1 ANALYSE

So. Ich werde mal so gut es geht versuchen, das Spiel nach Phasen zu analysieren und die kritischen Züge genauer zu beleuchten. Eventuell gehe ich hier und da noch auf alternative Wege ein, die die Partie hätte gehen können. Zunächst kurz zur Analysemechanik.

Im Schach wird jedem Zug ein Wert gegeben, der entweder positiv (Position verbessert) oder negativ (Position verschlechtert) ist. Dabei entspricht ein Wert von 1 ca. dem Gegenwert eines Bauern. Fehler sind in drei Kategorien eingeteilt:

Inaccuracy beschreibt einen Zug, der dem Spieler einen Nachteil einbringt, obwohl es Züge gegeben hätte, die einen Vorteil bringen. Dieser Nachteil ist aber relativ klein, auf jeden Fall unter dem Wert eines Bauern. Quasi ein „kleiner Fehler“.

Mistake steht für einen größeren Fehler, der einen Nachteil von -1 bis -3 bringt.

Blunder ist ein ziemlicher Fuckup, der im Profibereich eigentlich schon mit einer Niederlage gleichzusetzen ist und die eigene Position um mindestens -3 verschlechtert. Das ist der Klassiker im Anfängerbereich, wenn man etwas übersieht und eine Figur quasi einfach verschenkt.

Ich packe die Anzahl der Inaccuracies, Mistakes und Blunder mal in einen Spoiler:

Weiß:

5 Inaccuracy
3 Mistake
1 Blunder

Schwarz:

2 Inaccuracy
0 Mistake
1 Blunder

Los geht’s mit der Partie.

  1. e3; e5
  2. Sf3; e4

Hier gibt es die erste Inaccuracy von Weiß. Durch den Zug des Springers auf f3 ermöglicht man Schwarz einen leichten Angriff auf diesen. Schwarz kann mit dem Zug auf e4 zudem den weißen Bauern auf e3 blockieren und damit erheblich Einfluss auf die Entwicklung von Weiß nehmen. Diese Blockade wird Weiß bis zum Ende des Spiels verfolgen, weil sie den Läufer dauerhaft blockt und dieser somit das komplette Spiel über wirkungslos bleibt. Hier wäre es besser gewesen, einen weiteren Bauern nach vorne zu scheiben, um das Zentrum zu kontrollieren, z.B. d4 oder c4 zu spielen.

  1. Sd4; c5
  2. Sb3; d5

In Zug vier folgt die nächste Inaccuracy von Weiß. Der Springer wird auf einem Feld platziert, von dem er sich nicht mehr weg bewegen kann. Alle Rückwärtsbewegungen sind von eigenen Figuren blockiert, alle Felder in der Vorwärtsbewegung werden von schwarzen Figuren kontrolliert, so dass der Springer nun quasi fest sitzt. Hier wäre es besser gewesen, den Springer zurück auf e2 zu holen, damit er in Sicherheit ist, um anschließend Bauern zu bewegen und weiter zu eröffnen. Eine Sequenz hätte hier z.B. wie folgt aussehen können:

Alternativer Weg
  1. Se2, b5
  2. d3; exd3
  3. cxd3; Sc6
  4. g3; h5
  5. Lg2, h4

das hätte dann zu dieser relativ ausgeglichenen Position geführt, in der Weiß mit dem nächsten Zug seinen König in Sicherheit hätte bringen können und den Schaden aus dem kleinen Ausritt hätte begrenzen können.

  1. Sc3; Sf5
  2. Lb5+; Ld7
  3. De2; Le6

Die nächste Inaccuracy von Weiß, die der Computer mit -0,8 bewertet. Der Zug der Dame ist quasi wirkungslos (eventuell mal Input, was Weiß sich hier gedacht hat). Der bedrohte Läufer ist vom Springer gedeckt. Hier wäre es ratsam gewesen, die Läufer zu tauschen, also den Läufer des Gegners zu schlagen und diesen damit zu zwingen, mit der Dame zurück zu schlagen. So wäre die Initiative bei Weiß geblieben. Durch den „Waiting Move“ mit der Dame kann Schwarz unbedroht den Läufer auf d6 platzieren und hat nun zwei sehr starke Läufer in der Mitte des Bretts, die vor allem auf dem Königsflügel sehr viele Felder kontrollieren und so einen Angriff für weiß sehr schwierig machen.

  1. f4; O-O

Den Zug des Bauern auf f4 wertet der Computer mit satten -1,9 für Weiß. Nicht nur, dass der Bauer en passant direkt geschlagen werden könnte, er hat auch keine Wirkung. Weder deckt er eine andere Figur, noch attackiert er einen Gegner. Die beiden Felder e5 und g5, die er kontrolliert, sind keine wichtigen Felder für Schwarz, da es keine „Landing Spots“ für dessen Figuren sind. Bester Zug wäre weiterhin gewesen, den eigenen, eher schwachen Läufer gegen den stark positionierten Läufer von schwarz einzutauschen.

Das Rochieren von Schwarz ist in dem Fall eine Inaccuracy (-0,9). Zwar ist es sicher nicht verkehrt, den eigenen König in Sicherheit zu bringen, doch bestand in diesem Fall noch absolut keine Notwendigkeit dazu und der Zug hätte genutzt werden können, um weiter Figuren zu entwickeln und einen Angriff zu starten, z.B. indem man den zweiten Springer rausholt. Dadurch hätte man eine weitere Figur in Aktion und zudem dem Gegner die Möglichkeit des Läufertausches genommen, die für Weiß weiterhin gut gewesen wäre.

  1. d4; c4

Laut KI sind das zwei Blunder. Die Alternativen (weiterhin der Läufertausch für Weiß bzw. exd3 für Schwarz) eröffnen mir leider keine offensichtlichen Gründe, warum sie besser gewesen wären. Ironischerweise ist der C Bauer von Schwarz am Ende spielentscheidend, so dass man diesen Zug im Nachhinein nur schwer kritisieren kann.

  1. Sc5; Lxb5

Nun macht Schwarz den Läufertausch, den Weiß die ganze Zeit hätte machen sollen. Dabei wäre es in dieser Position möglich gewesen, den weißen Läufer zu gewinnen, ohne den eigenen Läufer zu opfern.

Schwarz kann Läufer gewinnen
  1. Sc5, Lg4
  2. Dd2, Lc8
  3. o-o; a6
  4. La4; b5

Schwarz bedroht zunächst die gegnerische Dame, die in Sicherheit gebracht werden muss. Dann zieht sich der schwarze Läufer nach c8 zurück, um dort das Feld b7 gegen einen möglichen Angriff des Springers von c5 zu verteidigen. Der weiße Läufer hat nun keine Sicht mehr auf den schwarzen und der „Tausch“ ist damit vom Tisch. Außerdem ist der weiße Läufer schon jetzt nur noch auf dem Feld, auf dem er steht sowie auf a4 sicher. Durch die beiden Bauernzüge wird er dann ins Verderben getrieben.

  1. Sxb5; Da5+
  2. Sc3; Lxc5
  3. dxc5; Dxc5
  4. Dd2; Sc6
  5. b3; Tad8

Der Bauer auf d3 ist der Zug, der die Siegchancen dann total in Richtung Schwarz hat kippen lassen. Zwar findet Schwarz nicht den besten Zug als Antwort (d4), doch baut mit dem Turm Druck über die d-Spalte auf.

  1. Sa4; Db4
  2. c3; Da5
  3. Dc2; d4

Weiß versucht, die schwarze Dame unter Druck zu setzen, allerdings verpufft das total wirkungslos und die Dame kann problemlos ausweichen. Für weiß wäre es nun langsam an der Zeit, den König aus der Mitte zu nehmen und zu rochieren. Spätestens die Bewegung des schwarzen Turms in die Mitte ist ein Zeichen, dass es höchste Eisenbahn hierfür ist. Stattdessen wird die Dame auf ein schwaches Feld bewegt. Von hier kontrolliert sie nun nur noch sieben Felder anstatt wie vorher und dem Gegner wird die d-Spalte quasi kampflos überlassen. Mit -1 die schwerwiegendste Inaccuracy, die es gibt.

  1. b4; d3
  2. bxa5; dxc2

Eine spielentscheidende Sequenz. Die vermeintliche Bauernüberzahl im Zentrum kann weiß nicht nutzen, da der Bauer auf c3 von der gegnerischen Dame „gepinnt“ ist und das Feld nicht verlassen kann (hätte Weiß nur mal rechtzeitig rochiert). Ein Schlagen von e3 auf d4 wäre also nur ein Bauerntausch, der dem Gegner die Möglichkeit gibt, weiter vor zu rücken. Deshalb bleibt nur die Möglichkeit, die weiße Dame anzugreifen… Doch anstatt die eigene Dame in Sicherheit zu bringen, kreiert Schwarz eine eigene Bedrohung. Weiß steht nun vor der unangenehmen Entscheidung, die Damen zu tauschen oder nicht und entscheidet sich am Ende für den auch von der KI vorgeschlagenen Tausch. Das Problem: zwar verlieren beide gleich viel Material, doch Schwarz gewinnt dabei einen Bauern in absoluter Premiumposition (kontrolliert b1 und sperrt somit den weißen Turm weg), während weiß mit einem ungeschützen, isolierten Bauern auf a5 aus der Sache raus geht.

  1. O-O; Td1

Hier hätte Weiß noch einmal die Möglichkeit gehabt, das Ruder herum zu reißen und einen Angriff zu starten, war aber vermutlich eingeschüchtert von Td1, der in dieser Position natürlich sehr unangenehm hätte werden können. Ein Zug des Läufers hätte jedoch den Turm auf a1 zur Verteidigung aktiviert und diese Bedrohung vorerst eliminiert. Zudem wäre der Läufer dann nicht mehr eingesperrt gewesen und man hätte den gegnerischen Turm auf f8 bedroht.

Alternative Verteidigung gegen Td1
  1. La3; Td1+
  2. Txd1; cxd1=D
  3. Kxd1, Td8+

  1. Sb2; Td8
  2. h3; Sxa5
  3. g4; h6
  4. g5; hxg5
  5. fxg5; Sh5
  6. Kg2; Txf1
  7. Kxf1; Td1+
  8. Ke2; Sg3+
  9. Kf2; Sf5
  10. Ke2; Th1

Das war tatsächlich die längeste Serie der bestmöglichen Züge am Stück, aber natürlich auch, weil vieles davon alternativlos war. Schwarz spielt hier sehr gut. Kassiert den einsamen Bauern in der a-Spalte, wehrt einen kleinen Verzweiflungsbauernansturm an und aktiviert den Springer als Unterstützung für den Angriff. Weiß kann zwar die Verteidigung vom Feld d1 stabilisieren, aber dem parallelen Angriff des Springers auf dem anderen Flügel hat es dann nichts mehr entgegen zu setzen, da sowohl der Läufer als auch der Turm völlig nutzlos auf ihren Startpositionen stehen. Schwarz opfert Turm für Turm und ersetzt den eigenen Turm auf d1 direkt mit dem zweiten Turm, so dass der weiße König nun völlig ohne Verteidigung da steht und nur noch „weg laufen“ kann.

  1. Kd2; Th2+

Die Partie ist nun zwar schon so gut wie entschieden, doch hier hätte Weiß es noch einmal ein bisschen schwerer machen können. Der Zug des Königs auf d2 besiegelt jedoch den Ausgang. Ab hier kann Weiß dem Schachmatt nicht mehr entgehen. Der Zug in Richtung des Turms wäre hier „besser“ gewesen. So hätte man den Turm auf e2 zwingen können und dann versuchen können, den eigenen Springer irgendwie aus der Ecke zu befreien oder eventuell den Läufer zu opfern, um den Turm aus der Ecke zu aktivieren.

The Last Stand
  1. Kf2; Th2+
  2. Kg1; Te2
  3. Ld2; Txd2
  4. Tc1; Sg3

Es hätte die Siegchancen natürlich nicht wesentlich verbessert, da man rein in Sachen Spielmaterial weiter ins Hintertreffen geraten wäre, aber immerhin hätte man ein paar Aktive Figuren gehabt, mit denen man noch hätte versuchen können, was zu reißen.

  1. Ke1; Sg3
  2. h4, Te2#

Schwarz erkennt das Matt und bringt das Spiel zu Ende. Es gibt nichts mehr, was Weiß tun kann.

Schöne Runde. Nochmal Glückwunsch an die vier Spieler des Siegerteams. Ich bin sehr gespannt, was hier so zu interner Kommunikation aus den Teams veröffentlicht wird :smiley:

Das ganze Spiel kann hier noch einmal durch geklickt werden. (kann sein, dass dafür ein lichess Account benötigt wird)

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Vielen Dank für die Organisation, hat Spaß gemacht. Wir sind fünf und würden gerne genau wissen, wen Du vergessen hast. :smiley: Wir werden dann noch mal den Chat durchgehen und ihn - wie man das bei den Mächtigen so macht - größtenteils geschwärzt veröffentlichen.

Sehr schöne Analyse auch, vielen Dank. Mir ist eine Sache aufgefallen, zu der ich eine Frage habe. Als wir noch gespielt haben, hast Du zur schwarzen Rochade geschrieben:

In der Analyse dann:

Das liegt dann wahrscheinlich an der Tiefe der Berechnungen und für die Analyse hast Du eine tiefere gewählt, oder? Nichtsdestotrotz sagt das ja schon für den Laien etwas über den Begriff der „Inaccuracy“ aus, wenn der Zug bei einer etwas geringeren Tiefe sogar als bestmöglicher bewertet wurde.

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Stimmt, das ist wirklich seltsam. Ich habe bei der Analyse auf jeden Fall eine tiefere Berechnung gewählt, ja. Aber dass aus dem besten möglichen Zug eine Inaccuracy wird ist schon wirklich ein ganz schöner Plot Twist.

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Ansonsten gibt’s interna bei uns nicht viel Spannendes zu berichten. Wir haben uns recht früh darauf geeinigt zu versuchen nicht mehr als 24h für einen Zug zu brauchen und ansonsten haben wir Macl das Ruder überlassen.

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Ich spüre da einen gewissen Unterton…

Ich hab hier immer mal wieder reingesehen obwohl mich Schach eigentlich nicht interessiert.

War es denn von Anfang an so geplant, dass sich die Teams dann auch untereinander austauschen?

Ich muss sagen, dass ich es interessanter gefunden hätte, wenn die Teams ohne Kommunikation drauf los gespielt hätten. :_d:

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Bei dem Video musste ich sofort an Sofacoach denken. :_d:

Edit:

:hihi:

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