Für mich war das ein sehr seltsames Spielejahr. Es gab so viele Titel, auf die ich mich sehr gefreut habe und am Ende hat mich keines davon so wirklich umgehauen. Lustigerweise ist es bei den 3 größten davon für mich der gleiche Kritkpunkt: Infinite Wealth, Final Fantasy 7 Rebirth und Metaphor ReFantazio fand ich zu 90% grandios und die letzten 10% haben den Eindruck leider komplett eingerissen. Und wenn der letzte Eindruck eines Spiels nicht mehr so positiv ist, trübt das eben den Gesamteindruck. Und damit habe ich 2 Spiele an der Spitze meiner Top 3, deren Genre definitiv nicht zu meinen Favoriten zählen. Obwohl es ein Spiel vielleicht auch einfacher hat, wenn man nicht mit der großen Erwartung rein geht.
Ich habe auch dieses Jahr wieder meine Spiele in einer App getrackt(GG-App, große Empfehlung!) und über das Jahr nach jedem abgeschlossenen Spiel direkt die Rangliste aktualisiert. Am Ende des Jahres konnte ich dann noch einmal in Ruhe reflektieren und habe jetzt eine Top 10, mit der ich durchaus zufrieden bin.
- Thank Goodness you’re here!
Es gibt ja wirklich wenige lustige Videospiele. Natürlich gibt es Sachen wie Monkey Island, bei denen immer wieder ein gewisser Witz mitschwingt. Aber da stehen letztendlich ja trotzdem die Rätsel auch im Vordergrund. Aber ein Spiel, bei dem der Humor eigentlich die einzige Spielmechanik ist? Da ist Thank Goodness you’re here! wirklich einzigartig. Und dann trifft das ganze auch noch perfekt meinen Humor.
Wenn man mit dem kleinen Mann durch die britische Kleinstadt läuft und alles und jeden schlägt in der Hoffnung auf eine Reaktion, war da selten etwas dabei was ich nicht witzig fand. Das ganze kann man an einem Abend durchspielen und trotzdem schafft man es, reihenweise Running Gags zu etablieren. Und als ich dann doch langsam der Idee überdrüssig wurde, war das Ende auch schon da.
Natürlich ist das quantitativ recht wenig Spiel, aber dafür qualitativ umso mehr. So etwas habe ich noch nie gespielt und werde ich wahrscheinlich auch nie wieder.
9. Ys X Nordics
Die Ys Reihe ist für mich ähnlich wie die Tales Reihe: Ich spiele sie gerne, weiß aber gar nicht so wirklich warum. Die Spiele sind meist doch recht durchschnittlich und versuchen wenig neues, am Ende gibt es irgendein verrückten Twist und dann spielt man ein anderes und wahrscheinlich besseres Spiel. Hier war aber wirklich das erste mal, dass ich das Gefühl dass sich das Spiel im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Das ganze ist quasi ein Piratenabenteuer, bei dem man mit seinem Schiff von Insel zu Insel fährt um das große Geheimnis der Region zu entschlüsseln. Das Action-Gameplay ist wirklich sehr spaßig, die Story hat immer wieder Überraschungsmomente und vor allem die beiden Charaktere harmonieren sehr gut.
Mein Lieblingsgimmick ist, das man immer wieder im Laufe des Spiels aus mehreren Plänen wählen kann und egal was man nimmt, es endet damit das man vom weiblichen Charakter geroasted wird. ![]()
Das ganze hat Cat Quest 3 knapp als Piratenabenteuer des Jahres abgelöst!
8. Neva
Sehr wahrscheinlich das schönste und am besten klingende Spiel des Jahres.
Neva ist das, was man als cineastischen Plattformer bezeichnen kann. Nur das bei denen meistens das spielerische eher im Hintergrund passiert und die Atmosphäre und Geschichte im Vordergrund. Neva macht da einen besseren Job und führt wirklich spannende Kämpfe ein und lässt sich einige coole Plattformer Rätsel einfallen. Mein Favorit ist eine Spiegelpassage, wo man Sprünge immer wieder lösen muss so das beide Seiten des Spiegels am Ziel ankommen.
Die Geschichte ist dazu wieder sehr herzzerreißend, so wie man das von „Vorgänger“ Gris kennt. Das ist wirklich eine sehr tolle Weiterentwicklung des Studios und ich bin jetzt schon gespannt auf den nächsten Titel aus dem Hause.
7. Prince of Persia: The Lost Crown
Ich bin kein großer Metroidvania Fan, wenn dort nicht wirklich alles passt. Hier war ich wirklich über lange Zeit sehr angetan: Man hat ein sehr cooles Action-Kampfsystem ins Spiel gepackt, was für so einen Titel ungewöhnlich ist und vor allem bei den Bossen sehr beeindruckend war. Das Plattforming an sich war wahrscheinlich das 2. beste was ich jemals von einem Nicht-Nintendo Studio gespielt habe. Und mit der Funktion, dass man Screenshots vom Spiel direkt an die Karte platzieren kann haben sie ein Feature erfunden, was jetzt rückblickend bei allen Spielen des Genres fehlt.
Man hat nur 2 Fehler gemacht:
A) Das Spiel ist mit knapp 25 Stunden einfach zu lang und verliert komplett das Momentum
und
B) Man hat einen großen Fokus auf die Story und Charaktere gelegt, die kaum langweiliger sein könnten. Ich kann mich wirklich an kein einziges Detail mehr erinnern.
So landet es leider doch weiter hinten, als ich nach den ersten paar Stunden gedacht hätte.
6. Like a Dragon: Infinite Wealth
Der erste meiner großen Wunschtitel für 2024. Den Vorgänger habe ich so abgöttisch geliebt, das ich es kaum erwarten kann es dieses Jahr nochmal anzugehen. Der Hauptgrund war, neben dem guten Kampfsystem, die Gruppe an Charakteren. Es schaffen wirklich wenige Spiele, das Gefühl aufzubauen als wäre man gerade mit Freunden auf einem Abenteuer. Da das ganze auch noch in einem realistischen, modernen Setting gespielt hat, war das Gefühl noch stärker als wenn man eine Gruppe mit Elfen und Magiern spielt.
Im Fokus natürlich Hauptfigur Ichiban, der direkt einer meiner liebsten Charaktere überhaupt wurde. Diese Naivität gepaart mit dem Herz aus Gold war einfach eine perfekte Kombination für ein Spiel mit einer eigentlich so dunklen Thematik.
Und dann kam eben der Nachfolger und die Sache, die mich etwas stört. Man holt den Protagonist aus den alten Spielen dazu. Also jeder, der mit Teil 7, was als neuer Anfang verkauft wurde, eingestiegen ist bleibt schon mal etwas außen vor. Und den Rest packe ich mal in einen Spoiler.
Da hält man dem Spieler die ganze Zeit die Karotte vor die Nase, dass es der große Abschluss der Geschichte von Kiryu ist. Dann der dramatische Krebs-Reveal. Alles deutet daraufhin, das es er sein würdiges Ende bekommt. Und dann überlebt er einfach? Ich verstehe wirklich nicht, wieso man dafür den Fokus so weggenommen hat von Ichiban, um dann so eine Daily Soap Nummer daraus zu machen.
Dazu war das ganze Ende an sich für mich etwas unbefriedigend und wirkte etwas langgezogen. Und dann bleiben halt leider sehr viele gute Stunden eher auf der Strecke, wenn man weiß wo diese enden. Die Geschichte, wie man einer alten Frau noch einmal Schnee auf Hawaii beschert werde ich wahrscheinlich nie vergessen und könnte jetzt schon wieder weinen, aber leider fällt mir das nicht als erstes ein.
5. Kamitsu-Gami: Path of the Goddess
Kurz vor Ende des Jahres nochmal so ein Knaller. Hier habe ich dann schon ausführlich berichtet.
4. Final Fantasy 7 Rebirth
Man! Ich war so lange fasziniert von diesem Spiel. Selbst die langweiligen Open World Aufgaben und anstrengenden Minispiele habe ich verziehen, weil es einfach nur bedeutete mehr Zeit mit der Gruppe zu haben, die eins meiner Lieblingsspiele der letzten Jahre so besonders gemacht haben. Und dann kotzt man da so ein Ende hin, was auch noch retroaktiv den genialen Vorgänger schlechter macht!
Man hat so ein großes Mysterium mit so viel Spannung aufgebaut in Remake und jeder hat eigentlich nur auf eine Szene hin gefiebert. Das war schon einmal eine der ikonischsten Szenen der Videospielgeschichte und hatte das Potenzial, nochmal größer zu werden. Am Ende davon war ich einfach nur geschockt, wie wenig man aus dem ganzen Potenzial gemacht hat. Und dann dieser finale Kampf, der das ganze nur noch wirrer gemacht hat und für mich genau das schlimmste bestätigt hat, was man bei dem Chef von Kingdom Hearts hätte vermuten können.
Ich würde das ganze gerne nochmal spielen, weil ich wirklich bis zum Ende eine so unglaublich gute Zeit hatte. Aber alleine der Gedanke an das verbaute Ende macht mich so wütend, dass ich es wahrscheinlich nicht mehr tun werde.
Und extra wütend bin ich, weil es mit der Red XIII Story eines der schönsten Momente des Videospieljahres für mich hatte. Für nichts!
3. Metaphor Refantazio
Man konnte im JRPG Thread die Achterbahnfahrt sehr gut nachvollziehen. Man nimmt das Persona Spielsystem und packt das in eine Fire Emblem Prämisse und garniert das mit einem SMT Kampfsystem und ich war hin und weg. Das Spiel baut ganz langsam ein wunderbares Szenario auf, das Worldbuilding um die verschiedenen Rassen und Systeme der Welt haben einen wirklich träumen lassen. Dann spielt man wirklich ein perfekt ausbalanciertes Spiel für 60 Stunden, dann bekommt man einen 5 stündigen Lore Dump der alles durcheinander wirft und dann 5 Stunden einen Schlag in die Magengrube weil das Spiel plötzlich den Schwierigkeitsgrad um 10 Level steigert.
Ich habe ja nichts gegen schwere Spiele. Aber das muss man sich eben verdienen und erarbeiten. Du kannst dem Spieler doch nicht über so lange Zeit deine Systeme näher bringen, um dann am Ende nichts davon relevant zu halten. Das fühlte sich wirklich wie Betrug an.
Das Story Ende fand ich dann ja sogar wieder recht schön, aber das spielerische Ende war für mich insgesamt eine riesige Enttäuschung. Daher habe ich das ganze im Nachhinein doch nochmal ordentlich abgestraft.
2. Balatro
Roguelike Spiele sind meistens Spiele, die ich aus einem Grund nicht leiden kann: Sie lassen mich dumm da stehen. Man spielt, hat einen Lauf, macht einen Fehler und das ganze ist vorbei und man steht wieder bei 0 da. Da geht bei mir persönlich schnell die Motivation flöten.
Aber nicht hier. Das Spiel musste ich einfach verstehen, da führte kein Weg dran vorbei. Noch eine Runde, noch eine Runde, noch eine Runde.
Das ist so ein simples Spielprinzip, was keine große grafische Meisterleistung braucht um einen einfach über hunderte Stunden zu unterhalten, falls man so möchte. Das ist einfach ein Videospiel in seiner reinsten und schönsten Form.
Ich weiß noch als wir im April aus Japan zurückkamen und ich für den 12 Stunden Flug so viel vor hatte: Dragon Quest 8 auf dem 3DS weiterspielen, 2 oder 3 Filme schauen, schlafen. Was habe ich gemacht? 10 Stunden Balatro gespielt. Und ich hätte wahrscheinlich auch noch 10 Stunden ran hängen können.
Bei all diesen großen Titeln dieses Jahr, wird das wahrscheinlich das Spiel sein über das man am längsten noch reden wird. Eigentlich verrückt, aber auch einfach verdient.
1. Astrobot
Ich kann es ja sagen: Ich hatte bis letzter Woche noch Metaphor ziemlich klar auf der 1. Aber dann habe ich nochmal reflektiert und Metaphor hat wie gesagt immer diesen sauren Geschmack hinterlassen. Balatro habe ich dann nochmal eingeworfen und war sofort wieder drin, da war mir irgendwie klar das es etwas besonderes ist. Aber der große Gewinner dieser Gedankenreise war einfach Astrobot.
Denke ich an dieses Spiel, kommt mir sofort ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Spiel hat in mir einfach so eine kindliche Freude ausgelöst. Ich konnte wirklich nicht fassen, was hier für wunderschöne Ideen verbaut wurden. Und das beste war: Die hörten einfach nie auf!
Und das ist am Ende doch irgendwie das, was Videospiele sein sollen. Wieso ich irgendwann angefangen habe, einen großen Teil meiner Freizeit mit Spielen zu verbringen. Astrobot ist quasi diese Begeisterung auf eine Disc gepresst. Und das obwohl ich für dieses Genre seit Mario 64 eigentlich nichts mehr wirklich empfinde, was es bei mir nochmal ein Stück besonderer macht.
Normalerweise hat die Story in Videospielen bei mir immer eine große Rolle und da geht Astrobot einen besonderen Weg: Die Story ist quasi eine Zeitreise durch die persönliche Vergangenheit, als jemand der seit der PS1 von der Playstation begleitet wird. Und das ganze wirkt nie wie billiges Product Placement, sondern wie eine Hommage von Leuten denen es genauso geht. Und weil man dazu eben das beste Plattforming außerhalb Nintendos hat, ist Astrobot für mich das Spiel des Jahres 2024!
Ein Plattformer im Jahr des JRPGs, ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben.
