Vielleicht sind manche hier ja (wieder) selbst Schüler. Dazu gibt es einige Eltern und ein paar Lehrer. Aber davon abgesehen -beim Thema Schule und Bildung sind wir ohnehin alle Experten, denn wir sind ja alle mal zur Schule gegangen.
Ich finde, dass es einen solchen Thread braucht.
Dann lege ich auch gleich mal los.
Gerade in den höheren Klassen (ab Jahrgangsstufe 8) beobachte ich aktuell eine bemerkenswerte – und erschreckende – Entwicklung.
Bei der Thematik Epstein sind reihenweise Schüler felsenfest von Dingen überzeugt, die direkt aus dem Lehrbuch für Verschwörungserzählungen stammen könnten:
- Epstein lebt angeblich noch.
- Systematische Entführungen und Kannibalismus (Kinder werden gegessen).
- Das Trinken von Kinderblut zur Verjüngung.
Das Ganze ist oft noch mit tiefsitzenden, antisemitischen Stereotypen unterfüttert. Besonders frustrierend: Die Jugendlichen behaupten steif und fest, sie hätten die Files selbst gelesen und es gäbe keinen Zweifel.
Man versucht ruhig zu erklären, aber auch zu fragen. Doch teils ist es echt frustrierend.
nice thread!
bin seit einigen jahren als dozent/coach unterwegs.
Ds finde ich schon ziemlich erschreckend.
Hast du denn eine Theorie, woher das kommt? Wie informieren sich die Schüler deiner Meinung nach heutzutage? TikTok? KI?
Meinst du 15-jæhrige im Jahr 2026 wissen wer der alte Opa da ist?
Kann aber in der Tendenz æhnliches aus Norwegen bestætigen. Ich arbeite nicht in der Schule (nur ab und zu als Springer), aber ich gebe humanistisch-ethischen Konfirmationsunterricht. Spreche also mit 14-, 15-jæhrigen ueber alle møgliche kontroverse Themen.
Und da hat sich bei den Jungs in den letzten zwei-drei Jahren sehr viel verændert. Im Herbst hatte ich eine Gruppe, da haben sechs von sieben Jungs gesagt, dass sie regelmæssig ins Fitnessstudio gehen und dass das wichtig fuer die “Persønlichkeitsentwicklung” ist. Vier von denen haben ganz offen mysogyne Haltungen vertreten, die anderen noch eher verdeckt. Auch alle mehr oder weniger davon ueberzeugt, dass eine Vermøgenssteuer total unfair ist und dass sie es durch harte Arbeit (und Krypto) zum Millionær schaffen werden. Von implizitem Rassismus will ich gar nicht anfangen. Und dazu eben auch so Verschwørungserzæhlungen.
Und @Fry: in bezug auf “meine” Jungs ist das auf jeden Fall Andrew Tate-Schule. Hier gibt es auch so eine Gruppe ganz populærer norwegischer Influencer die in die selbe Kerbe schlagen und aber zum Steuern sparen und Regelungen umgehen nach Estland uebergesiedelt sind und jetzt auf englisch produzieren.
Deshalb wäre ein Asocial Media Verbot so wichtig, weil die Plattformen selbst keinerlei Interesse haben Kinder/Jugendliche zu schützen weil ähm Geld und viele Eltern überfordert sind oder es ihnen einfach egal ist, was ihre Kids so ansehen.
Aber selbst wenn Eltern Ihre Kinder sensibilisieren, reicht oft ein Häuptling im Umfeld des Kindes um eine falsche Richtung vorzugeben.
Ja, aber mehr als ein Anfang wäre so ein Social Media-Verbot eh nicht. Ihr wisst doch selbst, dass Kinder und Jugendliche trotzdem immer Mittel und Wege finden werden, das zu umgehen.
es werden halt millionen von dateien von einem pädo ring der eliten veröffentlicht, wo opfer ignoriert oder zum schweigen gebracht wurden, sondern die eben genannten eliten sich auch freudig über experimente unterhalten haben
da sind die oben genannten “schlussfolgerungen” bzw verschwörungstheorien doch noch eigentlich ziemlich im rahmen ![]()
Oh ein interessanter thread. Ich habe aktuell leider wenig Kontakte zu jungen Menschen, so dass ich hier gerne mitlese. Was mir auffällt, viele machen die neuen Generationen schlecht, von wegen keine Arbeitsmoral, mehr life als work balance etc. Das stimmt in manchen Fällen, wo die Erwartungen zu hoch sind. Doch diese Generation versteht es besser als wir, was sie wollen und was sie nicht wollen. Auch deren Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist nicht so gross, was auch nicht sein muss.
Hab auch mal in ner Schule gearbeitet. Finde das Verschwörungsmythen grundsätzlich ein Thema in der Schule sind. Schule sollte grundsätzlich dazu befähigen, dass sich kritisch mit solche Theorien oder Mythen auseinandersetzt. Denke jede Schule sollte Projektwochen zu Themen wie Rassimus, Sexismus und anderes Ismen, als auch zu so Verschwörungsmythen und möglichem rechten Gedankengut zu machen.
Meines Erachtens sind die angeführten Punkte ja auch bereits prototypische antisemitische Talking Points.
Der dunkle Strippenzieher hinter den Kulissen, der quasi unsterblich ist, weil dann ein anderer aus der Mischpoche einfach seinen Platz einnimmt.
Ritualmordlegende. Das Blut von Christenkindern, mit denen die Matzen gebacken werden. Simon von Trient. Hostienschändung.
Das sind alles mittelalterliche Wahnvorstellungen, die sich, quasi ungebrochen in ihrer Wirkweise, bis heute immer wieder erneuert haben und in frischem Gewand daherkommen.
Social Media ist in dieser Beziehung natürlich die Pest. Mein Sohn ist in der sechsten Klasse und verfügt über keinerlei Social Media, meine Tochter ist in der neunten und konsumiert täglich eine Viertelstunde TikTok. Aber naturgemäß kriegen die auch jeden Scheiß von ihrern Freunden und aus der Klasse mit. Habe mit meiner Tochter letztens schon ein langes Epsteingespräch geführt, weil die echt Angst bekommen hat, wegen des ganzen Verschwörungsscheiß, der nonstop im Umlauf ist und in den Kinderköpfen sich noch potenziert.
Das ist nach meinem Empfinden in den letzten 2 bis 3 Jahren auch wieder deutlich schärfer und aggressiver und häufiger geworden.
Für dich sind wahrscheinnlich die Protokolle der Weisen von Zion auch noch eigentlich ziemlich im Rahmen.
Er kennt Zion nur von The Matrix
Also, ich habe mal mit meinen beiden Jungs gesprochen, denen das alles schon bekannt ist. Den Großen in der 13. Klasse interessiert das Ganze nicht mehr und der Kleine mit 16 weiß das sehr wohl einzuordnen. Er meint, in seiner Bubble wissen das alle sehr wohl einzuordnen und wissen, dass das alles plumpe Verschwörungstheorien sind und es einfach ein Spass mache, ironische Witze darüber zu machen. Gerade über den „Kannibalismus“ gibt es halt diverse Mems. Oder es werden im Unterricht Naidoo Aussagen zitiert. Und einen besonderen Spass haben sie dabei, Lehrer, die diese Ironie nicht verstehen, noch zusätzlich damit zu bombardieren. ![]()
In meiner 10. Klasse hab ich noch nicht weiter nachgefragt.
Liebe Grüße
Erstmal freut es mich, dass es bei dir und deinen Jungs so ist. Auch in den Peer Groups scheint es toll zu laufen. Dennoch ist es bei mir bzw. einem gewissen Teil meiner Schüler ganz anders.
Und das ist es erst recht nicht. Fehlendes Ironieverständnis sind bei einem Kollegen, der ähnliches erlebt, und mir nicht das Problem. Es ist nicht die Mehrheit, aber manche Schüler reagieren richtig genervt und enttäuscht, wenn man ihre Überzeugungen in Frage stellt.
Man muss wohl auch dazu sagen, dass wir eine eher leistungsschwache Realschule sind. Wobei hier wiederum vor allem die schwachen und mittelmäßig leistungsstarken Schüler anfällig zu sein scheinen.
Naja, letztlich ist es nur eine kleine Stichprobe und ich hoffe, dass das, was du erlebst, die Regel darstellt.
an die Lehrer/Dozenten: wie nutzt ihr KI in eurer Arbeit?
Nutze aktuell Notebook LM täglich für meinen Kurs, finde ich sehr stark.

