Musikinstrumente – Jetzt mach mal Piano

Finde keinen Musikinstrument Thread, daher - wer von euch spielt denn Klavier / Keyboard?

Ich hab mir vor ein paar Wochen mal ein 88 Tasten Digitalpiano mit Anschlagtechnik gegönnt. Man hat ja nicht allzu viel zu tun sonst. Dazu gab es 3 Monate „Skoove“ (Online Unterricht). Soweit macht mir das auch Spaß, auch wenn 32 schon ein stolzes Alter für einen puren Anfänger ist. Aber hey die ersten Takte „Für Elise“ kann ich doch zumindest schon vom Notenblatt spielen.

Aber wie zum Teufel bekomme ich beide Hände koordiniert. Hat da vielleicht jemand Literatur / Youtube / was auch immer Tipps für? Also wenn beide Hände das Gleiche spielen, ist es kein großes Problem. Aber wenn die rechte Hand was völlig anderes als die Linke macht (und das ist ja nun mal normal) bekomm ich echt einen Knoten im Kopf und kann es nur sehr langsam spielen und baue dennoch öfter Fehler ein.

Klar ich bin erst kurz dabei und das wird sicher irgendwann, aber mich würde einfach interessieren, wie man an die Sache am besten rangeht.

edith sagt: Danke Dion!

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Moin! Hatte auch schon die Idee diesen Thread aufzumachen.

Ich bin nun seit März dabei und übe täglich eine bis 1.5 Stunden. Habe zuvor nie ein Instrument gelernt (nur ein paar Akkorde auf Gitarre gelernt) und Notenlesen kannte ich noch grob von der Schule. Hatte anfangs ein Leihklavier für 50 € im Monat, aber damit auch zunehmend genervte Nachbarn. Bin nun übergangsweise bei einem soliden Einsteigerdigitalpiano (Roland FP-30), aber träume insgeheim schon von einem Flügel. :usad: Zwischendrin habe ich mir gebraucht ein Hybridflügel mit echter Flügelmechanik (Yamaha N1) gekauft, finde aber eher, dass das die Nachteile beider Welten zusammenbringt, nicht die Vorteile. Könnte ich zum Glück mit einem Cent Gewinn weiterverkaufen.

Ich habe von Anfang an Unterricht genommen und kann das wirklich nur dickstens empfehlen. Klar lernt man alleine irgendwie mit der Zeit die richtigen Tasten zu drücken, mit Übung auch im richtigen Rhythmus, aber zum schön klingen und wirklich musizieren gehören so viel mehr Dinge dazu, die man als Anfänger einfach alleine nicht wissen kann. Das wäre meine Empfehlung. Auch lernt man viel effektiver zu üben und der/die KL zeigt dir die richtigen Bewegungen und Haltungen und sorgt dafür, dass sich keine Fehler einschleichen, die man nur mit größter Mühe wieder rausbekommt. Und wenn es nur alle 2 Wochen sind, machen! Ansonsten grundsätzlich gerade anfangs: Hände unabhängig voneinander üben, erst rechte, dann linke, und dann ganz langsam Ton für Ton zusammensetzen, wiederholen, und ganz langsam Tempo steigern. Dauert gut und gerne einfach länger, da sind ein paar Wochen noch gar nichts. Sagt der immernoch Anfänger. :_d: Aber es geht voran. Momentan sitze ich am Beginn von Largo von Haydn und Andantino von Chatschaturjan bekomme ich imo hörenswert hin. Es ist ein sehr schönes Hobby und im Gegensatz zur Gitarre, die ich immer nur ein paar Wochen gespielt und dann zur Seite gelegt habe, ist die Motivation hier einfach da.

Zur Literatur: Sehr gut zum Aufwärmen finde ich die A Dozen A Day (ein Dutzend am Tag) Fingerübungen, bei deinen man viele grundsätzliche/häufige Bewegungsabläufe und eben auch die Unabhängigkeit der Finger gut üben kann. Dazu findet man auch bei youtube viele Videos zur Umsetzung.

Dann kann ich folgende Übung zur Unabhängigkeit der Hände empfehlen:

https://www.youtube.com/watch?v=CFBs50lVPJw

Gerne anfangs doll übertreiben, damit dein Gehirn wirklich merkt, dass du da mit beiden Händen voneinander unabhängige Bewegungen machen willst.

Und ein klasse Lehrbuch ist mMn „Klavierspielen mit der Maus“, auch für Erwachsene. Gerade anfangs haben wir viel daraus gemacht und ich finde es wirklich sehr gut, wie nach und nach die Komplexität der Stücke steigt. Einfach sehr logisch, wobei manche Sprünge aber auch recht groß sind. Also wenn man bereit ist „Kinderlieder“ zu spielen. Meine KL nimmt das dabei gar nicht mehr so häufig für Kindern, weil es wohl heute nicht mehr so viele Kinder gibt, die mit entsprechend viel Disziplin gesegnet sind, sich da durchzuarbeiten.

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Vielen Dank für die hilfreiche Antwort!

Mit dem KL hast du vermutlich Recht. Zumindest sich hin und wieder über die Schulter schauen lassen, ist sicher nicht verkehrt. In Wien gibts da wohl auch viel Auswahl und sogar recht bekannte Pianisten (zumindest spielen sie teils auf recht großer Bühne) geben bezahlbar Stunden.

Dein solides Einsteigerpiano find ich schon recht anständig. Meins kostet gerade mal 350 € aber erfüllt auch seinen Zweck. Fühlt sich im Vergleich zu einem echten ganz OK an.

Das Youtube Video hat in der Tat geholfen. Es wird zumindest besser. Der hat ja noch einige andere Tipps, die möchte ich nach der Weihnachtszeit auch beachten. Leider bin cih ab Samstag wieder weg, aber ab dem 27.12. werde ich dann hoffentlich ohne Unterbrechung ein paar Monate spielen können.

Was mir beim erlernen neuer Stücke auch oft geholfen hat, zumindest wenn ich an einem Tag nicht weiter gekommen bin, war es an diesem Tag einfach sein zu lassen.

Ich meine ich habe sogar mal gelesen, dass man im Schlaf das gelernte verarbeitet und sich am nächsten Tag leichter tut. Also solltest Du gewisse Passagen nicht 100% richtig schaffen, lass Dich davon nicht verunsichern. Entspannen, bisschen was leichtes Klimpern und am nächsten Tag frisch und munter nochmal versuchen, oft war das bei mir der Schlüssel zum Erfolg.

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hier gibst doch sicherlich auch Gitarren soieler oder?
ich habe angang 2020 damit angefangeb, es gab von Fender eine kostenlose Probemitgliedschaft, mit unterschiedlichen Übungen. Hab mir dann eine hartley Benton Gitarre gekauft. da mir das fur das abendliche üben zu laut war, habe ich mir noch eine Epiphone Les Paul (einfach weik stylisch) gekauft. habe ohne Vertärker gespielt, was aber auch zu laut für den rest der Familie war. Naja aif der E-Gitarre ist zwar leicher zu Spielen, aber die Westerngitarre klingt einfach besser. Naja und jetzt bin ich seither am üben, und am verzweifeln, achja die schmerzen in den Fingern. Mir fällt das spielen mit dem Plektron schwer, anddauern verrutscht es, oder ich treffe die saiten nicht, oder es ist sehr laut. Jetzt konzentriere ich mich aufs fingerpicking aber da habe ich auch so meine Schwierigkeiten. hat hier vielleicht jemand einen tipp den der rest des internets nicht hat?

Ja, den habe ich. Siehe irgendwann ein, dass du nicht die Ausdauer und Geduld hast um wirklich solide Gitarre spielen zu können und somit auf einem Einsteigerlevel hängen bleibst. Aber immerhin reicht es für manche Kinderlieder und die Tetris-Melodie. Also so war es zumindest bei mir :usad: und es soll kein wirklicher Tipp sein. Der beste wirkliche Tipp ist wohl üben, üben, üben und an der Sache dran bleiben.

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das hab ich versucht, klappt aber nicht :joy:

Und, hat sich was getan in den letzten Wochen bezüglich der Unabhängigkeit der Hände?

Ich arbeite nun an mit meine Klavierlehrerin an Erik Saties Gymnopedie No. 1. :slight_smile: Darauf bin ich schon ziemlich stolz, hätte ich vor knapp einem Jahr, als ich angefangen habe, nicht gedacht.

Mein Digitalpiano und insbesondere das Üben mit Kopfhörern geht mir zunehmends auf die Nerven. Stellt man es zu leise, benötigt man insbesondere bei p/pp zu viel Kraft bzw. spielt einfach zu grobmotorisch an einem richtigen Klavier. Stellt man es zu laut, klingeln einem bei lauten Stücken die Ohren.

Ich überlege mir nun ernsthaft, mir eine Übekabine (Desone S:BOX | Übungskabine als Proberaum zuhause) zu kaufen, in das ich ein akustisches Klavier stellen kann, ohne die ganze Nachbarschaft abzufucken. :usad: Klingt umständlich und ist teuer. Erscheint mir aber als die einzige realistische Option akustisches Klavier im MFH zu spielen. Und ans Eigenheim ist noch lange, lange (wenn überhaupt) nicht zu denken.

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Ich habe mir vor ca. 10 Jahren das Gitarrespielen im Selbststudium beigebracht. Es ist definitiv möglich (yours truly ist der Beweis), aber ich würde trotzdem empfehlen, die eine oder andere Stunde bei einem Lehrer zu nehmen. Gerade zu Beginn kann es hilfreich sein, um Dinge nicht falsch zu lernen. Einmal falsch gelernt (z.B. einen Akkord) kann es sehr anstrengend werden, es später einmal zu ändern. Ich schreibe dir trotzdem mal kurz einige Dinge auf, die mir spontan einfallen:

Den Fenderkurs kenne ich nicht. Mein bester Freund damals war Justin Guitar. Er hat einen Youtube Channel mit hunderten von kostenlosen Tutorials, inkl. einem kompletten Anfängerkurs, welcher wirklich mit den Basics beginnt und dann langsam und Schritt für Schritt einem das Gitarrespielen beibringt. Ich würde daher mal einen Blick darauf werfen.

Im Prinzip ist die wichtigste Lektion aber in der Tat die Geduld. Und das regelmäßige Spielen. Jeden Tag, selbst wenn es nur fünf Minuten sind. Hast du aktuell z.B. Home Office? Perfekt. In der Pause kurz die Gitarre in die Hand nehmen und ein paar Akkorde üben. Oder bereits vor Arbeitsbeginn. Abends dann vielleicht für 10 Minuten. Das ganze jeden Tag. Das bringt dir deutlich mehr, als einmal pro Woche abends zwei Stunden zu üben.

Such dir ein Lied welches dir gefällt und schau online die Akkorde / ein Tab an. Je simpler es ist, desto besser. Und dann übe es. 5 Minuten, jeden Tag. Selbst wenn es zu Beginn nur ein Akkordwechsel ist, oder die ersten drei Töne des Mainriffs. Es sollte ein Lied sein, welches dir auch wirklich gefällt, damit du Spaß daran hast und die Motivation vorhanden ist, es zu lernen. Für mich z.B. war es damals Otherside von RHCP. Super simpel, ein perfekter Anfängersong. Du musst allerdings auch Dinge üben, die vielleicht nicht so viel Spaß machen, aber essentiell sind, wie z.B. schwere Akkorde. Ein Mix aus beiden ist daher ein guter Weg.

Hast du die Gitarre online gekauft und bespielst du sie aus der Box? Das geht in der Regel nie gut. Bring sie zum Gitarrenladen deines Vertrauens und sprich mit den Leuten, damit sie dir die Gitarre einstellen. Eine hohe Saitenlage, ein schiefer Hals, falsche Saiten, all das sind Punkte, die einem das Spielen erschweren. Meistens wird einem Anfänger daher auch nicht geraten, die billigste Gitarre zu nehmen, auch wenn es paradox klingen mag. Je schlechter die Qualität, desto schwerer das Bespielen, desto größter der Frust und damit die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs. Gerade bei Westerngitarren.

Pleks. Naja, Übungssache. Mehr kann man da wirklich nicht sagen. Üben, üben, üben. Probiere verschiedene Größen aus. Grundsätzlich heißt es, dass man zu Beginn dünnere Pleks verwenden sollte. Je dicker, desto schwerer. Trifft auf mich persönlich nicht zu, ich kam von Anfang an mit einer mittleren Größe am besten klar. Grundsätzlich bevorzuge ich es aber, in bester Mark-Knopfler-Manier mit den Fingern zu spielen.

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Ja das hat sich schon ein wenig gebessert. Meine Linke kann nun anders als meine Rechte. Aber dafür hängt es wieder an anderen stellen. Einerseits brauche ich noch immer viel zu lang um die Noten auf dem Klavier zu finden, Akkorde in der Linken wollen auch noch nicht so richtig und generell bin ich immer mehr davon überzeugt, dass ich Klavierstunden benötigen werde. Ich glaube zumindest, dass ich nicht mit Talent gesegnet bin.
Pandemiebedingt stell ich die Suche aktuell noch ein bisschen hinten an, spätestens wenn ich die Nadel im Arm hatte, such ich mir aber eine(n) Lehrer(in).

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Das ist Unsinn mit dem Talent. Jeder braucht Klavierstunden (bei einem guten Lehrer), um schön spielen zu können. Autodidakten sind beim Klavier wirklich die absolute Ausnahme.

Ich habe mir vorgestern ein wunderschönes Schimmel Klavier Bj. 89 von Privat aus erster Hand in kaum genutzten Bestzustand zu fairem Preis angeschaut. Wenn der Klavierbaumeister am Montag beim Durchchecken sein ok gibt, wird das meins. :love:

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Das ist es dann nicht geworden. Aber ein ganz ganz wunderbares, viel besseres neues Kawai Silent-Klavier Made in Japan. :love: Habe so ein unfassbares Angebot bekommen, dass ich nicht absagen konnte. Falls das hier überhaupt jemanden interessiert. :usad:

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Das Kawai war großartig. Leider war es mit seinem 130cm Höhe viel zu laut für unsere Wohnung und den Raum selbst, sodass ich es leider zurückgegeben musste.

Nach langer Bedenkzeit und unzähligem Testen habe ich nun ein Yamaha NU1X Hybrid Klavier gekauft. Das ist ein Instrument mit einer vollständigen, echten Klaviermechanik, aber digitaler Klangerzeugung. Die Lautsprecher klingen fantastisch. Und das obwohl es „nur“ vier sind - das NU1X klingt aber authentischer als andere Digitalpianos mit teilweise bis zu acht Lautsprechern. Es scheint, dass es da eher auf die Qualität der Lautsprecher ankommt als die Zahl.

Das schöne ist - also neben der sehr klavierähnlichen Optik, dem authentischen Spielgefühl, den guten Lautsprechern, den guten Samples (für Spielen mit Kopfhörern hat Yamaha sogar binaurale Samples aufgenommen) - dass das Klavier ein eingebautes Audio Interface hat. Dadurch kann ich das Instrument einfach mit einem USB-Kabel mit meinem Laptop verbinden und habe Zugriff auf unzählige virtuelle Instrumente, wie das großartige Pianoteq, kann per MIDI spielen und die Klänge direkt zurück an das Klavier senden und über die Lautsprecher oder den Kopfhörerausgang in Echtzeit abspielen.

Das besondere an Pianoteq: Bei Digitalpianos wird zur Soundwiedergabe i.d.R. auf Samples zurückgegriffen - d. h. ein Instrument wird mal mehr, mal weniger aufwendig aufgenommen. Es wird also jede einzelne Ton in verschiedenen Beschleunigungen (= Laustärken), mit und ohne Dämpferpedal, ggfs. mit anderen Pedalen, sowie kurz/gezupft gespielt (Staccato) aufgenommen, am besten natürlich auch in jeder beliebigen Kombination mit anderen Tönen. In der Regel werden mehrere Mikros verwendet, manche näher am Instrument, andere weiter weg, um den Raumklang einzufangen. Dem ganzen sind natürlich gewisse Grenzen gesetzt. Während beim Spielen auf einem richtigen Instrument Tasten auf einem bestimmten Kontinuum beliebig schnell oder langsam gespielt werden können, ist das auf einem Digitalpiano natürlich nicht möglich. Heutige Digitalpianos besitzen 128 (0-127) MIDI Output-Stufen, d. h. je schneller eine Taste gespielt wird, desto höher der MIDI Output. 128 ist eine ganze Menge - das Problem ist, dass viele samplebasierte Klänge beispielsweise nur ganze drei oder fünf verschiedene Dynamiklayer pro Taste aufnehmen (statt der theoretisch möglich 127), also von leise zu laut quasi piano, mezzopiano, mezzoforte, forte, fortissimo, und der Rest wird nur durch Lautstärke differenziert, obwohl sich auf einem akustischen Instrument natürlich mit jedem Unterschied Unterschied im Anschlag nicht nur die Lautstärke eines Tons, sondern auch das Timbre ändert. Man spielt bei Digitalpianos also i.d.R. ein unzureichend aufgenommenes Instrument ab. Das ist einer der Gründe, warum sich das Spielen auf Digitalpianos meist so undynamisch und leblos anfühlt. Da sind natürlich auch viele weitere Gründe: die schier unzähligen Möglichkeiten, wie beliebige Töne mit beliebig vielen anderen in unterschiedlicher Intensität und Spielart, mit und ohne Pedal(e) miteinander agieren, und wie die Resonanzen im Instrument klingen, kann man einfach kaum aufnehmen.

Begrenzt wird das meist durch die Rechenleistung und Speicherplatz: Gute Sample-Libraries brauchen sehr viel Platz und einen leistungsstarken Rechner. Es exisitieren auch extrem aufwendige Sample Libraries wie die VSL Synchron Pianos. Beispielsweise haben sie den Bösensorfer Imperial Flügel aufgenommen: Über 4000 Samples pro Taste(!) mit über 100 velocity layern, 20.000 Samples pro Mikrofonposition (11), insgesamt 237.000 Samples bei knapp 300 GB Größe. Kostenpunkt: 540€. Für ein virtuelles Instrument.
Empfohlene Systemvoraussetungen:

  • Windows 10 (letztes Update, 64-Bit), Intel Core i7/i9/Xeon
  • macOS 10.12.6 (oder höher), Intel Core i7/i9/Xeon
  • 32 GB RAM

Das kann ich mit meiner MacBook Air 2013 Krücke mit 4GB Ram und 2-Kern I5 mit 1,3 Ghz natürlich vergessen. Und das ist auch der Grund, warum selbst die Samples bei den heutzutage besten Digitalpianos von Yamaha und Kawai immer noch mehr schlecht als recht klingen und vor allem irgendwie leblos und undynamisch sind. Ein weiterer Nachteil von Samples: Einmal aufgenommen, hat man nur noch sehr beschränkte Möglichkeiten, den Klang der Samples zu verändern. Letztlich kommt es bei Samples auf die Qualität des Instruments, die Stimmung des Instruments, den Raum, die Mikros und deren Position, die Aufnahmetechnik, und den Aufwand bzw. die Auflösung an, mit der ein Instrument aufgenommen wird.

Nun: Pianoteq von Modartt. Pianoteq, entwickelt vom Institut für Mathematik am INSA in Toulouse, verfolgt einen gänzlich anderen Ansatz: Die Klavierklänge werden nicht aufgenommen und abgespielt, sondern vollständig in Echtzeit modelliert. Also im Prinzip handelt es sich um einen komplett aus dem Ruder gelaufenen, super sophisticated Synthesizer für Pianos. Es lassen sich alle denkbaren klangbeeinflussenden Parameter am Instrument selbst und außerhalb des Instruments modellieren und manipulieren, was unendliche Möglichkeiten eröffnet. Dadurch können auch tatsächlich alle 127 MIDI velocity outputs genutzt werden und die Interaktionen zwischen den Tönen und Resonanzen werden in Echtzeit modelliert. Man kann zwischen den unzähligen, von Modartt selbst erstellten Presets für die vielen, sogar von den Herstellern lizenzierten Konzert- oder Salonflügeln von Steinway, Bechstein, Blüthner, Steingraeber, Petrof oder Grotrian-Steinweg, unzähligen historischen Flügeln, Hammerflügeln und Cembali sowie ein paar von Pianoteq erstellten Klavieren und Flügeln wählen. Oder wie ein Klaviertechniker selbst Hand anlegen, die Stimmung des Instruments ändern, die Intonierung durch Veränderung der Härte des Filzes der Hammerköpfe ändern, das Alter bzw. den Zustand des Instruments bestimmen oder die Spielart durch Veränderung der velocity curve verändern. Oder das Instrument selbst verändern, die Größe und Krümmung des Resonanzbodens, die Länge der Saiten oder auch den Raum, in dem der Flügel steht, die Art, Anzahl und Position der Mikrofone. Und wirklich noch vieles mehr. Seit Pianoteq 7 kann man sogar verschiedene Instrumente miteinander morphen. Das alles wird in Echtzeit modelliert, fühlt sich dadurch unglaublich lebhaft und dynamisch an, wie ein echtes Instrument, klingt absolut fantastisch, spielt sich ebenso nuanciert und das beste: Ist ca. 50 MB groß und mein altes MacBook kommt damit bestens zurecht. Pianoteq Standard mit 3 Instrumenten kostet bspw. 249€. Paradoxerweise klingen für mich die Samples der realen aufgenommenen Flügel von bspw. Kawai und Yamaha wesentlich digitaler und lebloser als das sehr authentisch klingende modellierte Pianoteq.

Die Kombination aus der echten Klaviermechanik des Yamaha NU1X und dem dynamischen Klang und Spielgefühl von Pianoteq ist großartig und lässt mich manchmal vergessen, dass ich an einem digitalen Instrument sitze. Auch über die integrierten Lautsprecher klingt Pianoteq großartig, was bei vielen Instrumenten ohne Audio Interface, wo man das Signal per Line-In Klinke ins Digitalpiano bringt, wohl nicht der Fall sein soll. Hier noch ein Beispiel (bin nicht ich, da bin ich noch sehr weit weg von, sowas zu spielen :usad: )

Ok. Das war jetzt ein extrem nieschiger und nerdiger Post. :usad: Vielleicht fand das dennoch jemand interessant. Schließlich habe ich herausgefunden, das mein Prof. und Chef auch Pianoteq bentuzt und begeistert ist! Manchmal ist die Welt doch klein.

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