Der Politik Thread - Ersch(l)iessungsanlagen werden vom Steuerzahler bezahlt

Also so ein bisschen lustig ist das ja schon. Die Umsetzung der Quarantäne ist Sache der Kantone. Heute gab es eine Umfrage bei den Hotels. Die Wenigsten wussten etwas, deren Briten sind seit Tagen auf den Pisten und in den Strassen unterwegs. Warum auch Skigebiete schliessen. Das ist grossartig. Machen wir halt den lockdown im neuen Jahr.

So, ich war inzwischen auch in Kontakt mit einem infizierten Arbeitskollegen. An meinem letzten Arbeitstag beim Kunden noch einen Kaffee zusammen getrunken. Am nächsten Tag hatte er dann Symptome (Fieber, Halsschmerzen). Da ich aber „nur“ 10 Minuten und genügend Abstand hatte, muss ich offiziell nicht in Quarantäne. Und das, obwohl ich in seinem Büro war, wo er den ganzen Tag gearbeitet hatte.

Das ist so lächerlich. Du kannst Draussen keinen Glühwein trinken, aber 10 Minuten im infizierten Raum sind ok.

Die Quarantäne habe ich mir jetzt selbst „verordnet“. Bin aber sicher, dass es unzählige ähnliche Fälle gibt, bei denen die Leute fröhlich weiter zur Arbeit oder Einkaufen gehen.

Er vermutet übrigens, dass der 4 jährige Sohn ihn angesteckt hat, weil er selbst im Home Office war und sein Sohn 3 Tage vorher Fieber hatte. Der Sohn war in der Kita…

Achja: Er hat es auch beim Arbeitgeber gemeldet: Keine weiteren Massnahmen. Er hatte ja keinen längeren Kontakt zu anderen Mitarbeitern. Obwohl er den ganzen Tag da war und in allen Gängen und beim Essen und auf dem Klo war.

Es ist ein Witz.

8 „Gefällt mir“

Hmm, dagegen ist mein Arbeitgeber dann ja wohl wirklich einer der engagierteren.
Alles was geht ins Home Office verfrachten. Leute die nicht gehen wollen mit Masken am Platz (beim Telefonieren sehr lästig). Inzwischen am lokalen Standort 3 positive Fälle, einer schon länger nicht am Platz, trotzdem die Sitznachbarn ins Home Office.
Bei direkten Kontakten gleich ganze Abteilungen erstmal ins Home Office bzw. Quarantäne. Den Status haben wir sogar auf den Stundenzetteln.
Sehr eindeutige Mails und auch ein interner Krisenstab, der seit Sommer aktiv ist. Klare Vorgaben, wann wer aus dem Urlaub zurück das Gebäude betreten darf. Inzwischen arbeite ich dann auch von zu Hause aus und es geht tatsächlich ganz gut und ist entspannt.

2 „Gefällt mir“

Andreas Scheuer, der regelmäßig Milliarden in die Autokonzerne hineinbuttert, hat jetzt den Missstand in deutschen Kliniken erkannt und wollte speziell dem Klinikum seiner Heimatstadt Passau ein wenig unter die Arme greifen. Und was können Klinikmitarbeiter neben Applaus aktuell am besten gebrauchen? Richtig, 3000 Packungen mit Plätzchen, die sie während der Arbeitszeit aufgrund fehlender Pausezeiten sowieso nicht essen können.

:remsen:

21 „Gefällt mir“

„Sollen sie doch Plätzchen essen!“

5 „Gefällt mir“

Wurden die aus dem Fett der Näpfchen gefertigt in die Herr Scheuer immer wieder tritt?

9 „Gefällt mir“

@Thrasher

2 „Gefällt mir“

Na immerhin. „Geplant sei, dass das HPI und das UKE zu „gegebener Zeit“ eine wissenschaftliche Publikation zu dieser (und anderen Untersuchungen von Ausbruchsgeschehen in Schulen) veröffentlichen werden.“

Darauf bin ich gespannt, dann kann man vielleicht endlich mal die Sicherheitsmaßnahmen an Schulen optimieren. Durchgängigen Präsenzunterricht braucht es ja ohnehin am dringendsten nur für die Kids in den unteren Klassen, die nicht in der Lage sind, per Videokonferenz dem Unterricht zu folgen.

1 „Gefällt mir“

Wie so viele andere Dinge ist auch dies nicht nur eine Frage des Alters, sondern der sozialen Klasse. Die Gymnasialklasse (10. oder 11. glaube ich) meiner Mutter ist im wahrsten Sinne des Wortes bunt gemischt. Aber es sei sehr auffällig, wie sehr der (aus Kleidung und Habitus geschlossene) Status der Kinder sich mit dem Einblick durch das Zoom-Fenster decke. Die Kinder, die den Lockdown schultechnisch unbeschadet überstehen, haben eigene Zimmer und eigene Laptops/PC, die nicht mit einem weiteren Geschwister geteilt werden müssen. Kinder aus weniger privilegierten Verhältnissen sitzen im Wohnzimmer am Familien-PC, umgeben vom Trubel, und tun sich wahnsinnig schwer.

10 „Gefällt mir“

Auf meiner vorherigen Schule (Realschule) und auf meiner jetzigen (Weiterbildungskolleg) hat weit über die Hälfte der Schüler gar keinen PC oder Laptop - also niemand im Haushalt. Manche haben stattdessen ein Tablet.
Die meisten haben aber ausschließlich ein Smartphone und für Videoübertragungen des Unterrichts ist es kaum geeignet. Dazu ist der Bildschirm einfach zu klein.
Alternative Dinge sind natürlich möglich. Aber einfach für die, die zu Hause sind, den Unterricht zu filmen/streamen, ist nicht nur nicht ideal. Ich denke, dass es die ohnehin schon benachteiligten Schüler weiter distanziert.
Aber wie gesagt, man kann ja auch andere Dinge machen. Trotzdem ist das alles nicht einfach und bringt immer einen Rattenschwanz an Schwierigkeiten mit sich.

7 „Gefällt mir“

Das ist vollkommen richtig. Mein Argument war, dass man das in den Ersten Klassen gar nicht probieren braucht, weil die Kinder es des Alters und der Konzentrationsfähigkeit wegen nicht schaffen.

Die anderen - ebenfalls gravierenden - Probleme des Zugangs, die Du und Nawi beschreiben sind ja nur künstlich durch die Klassengesellschaft erzeugte. Spätestens in den letzten 6 Monaten hätte man jedes Schulkind ohne weiteres mit vernünftigem Internet, einem geeigneten Gerät und einem Kurs für Kids und Eltern, wie man online lernt versorgen können.

4 „Gefällt mir“

Hahahahahhahahahahhahaha. In einem Land in dem die Überweisung von Hilfsgeldern in Monat 9 einer Pandemie an fehlender Software scheitert, träumst du davon mehrere 100.000 Familien und mehrere 10.000 Lehrer ins neue Jahrtausend zu holen?
Das ist ja nicht nur rein infrastrukturell ein Problem, sondern noch dazu ist ja jede Schule da auf einem komplett anderen Level. Als kurzes Beispiel: Die Grundschule meines Ältesten hat sich nach den Osterferien (bis dahin passierte genau 0) damit gebrüstet, dass erst zu Beginn des Jahres für jeden Lehrer ein Laptop angeschafft wurde. Diese sollten nun verteilt werden und zack, schon könne der Heimunterricht losgehen. An Tag 1 bemerkte man, dass es in der gesamten Schule nur einen Raum mit WLAN gibt - das Büro des Direktors. Ansonsten wäre es möglich gewesen, jeden dritten Klassenraum in wenigen Wochen zumindest mit Kabeln ans Netz zu bringen. Drei Väter die allesamt in der IT tätig sind, haben dann in einer Woche die komplette Schule vernetzt. Initiative der Schule oder der Regierung dabei =0.
Bei der Generalprobe bemerkte man dann, dass allen Laptops die Kamera abgedreht wurde. Und zwar final, nicht das damit Unfug gemacht wird. Videostream zu den Schülern also nicht möglich. Immerhin hatte in der Zeit der Elternbeirat iPads für die sozial benachteiligten Kinder organisiert. In Anspruch genommen wurden an einer städtischen Schule mit ca. 400 Schülern genau: 2. Allerdings blieben allein in der Klasse von meinem Junior mind. 4 Schüler regelmäßig dem Digitalunterricht fern, der dann in Woche 5 nach den Osterferien startete. Die gleichen vier Schüler waren natürlich auch in der Woche vor Weihnachten nicht dabei. In der Schule liegen 35 iPads zur Abholung - kostenlose Leihe mit unbestimmter Dauer. Wird nicht genutzt.
So weit so ärgerlich. Von den Lehrerinnen ist ungefähr 1/3 laut eigener Aussage nicht soweit im Internet Zuhause, als dass sie in der Form unterrichten könnten. Wir haben das große Glück das die Klassenlehrerin im Sommer hingeworfen hat und die neue Lehrerin das sehr gut und sehr natürlich macht. Andere Klassen werden per Kamera beim Ausmalen begleitet in dem Geschichten vorgelesen werden… Ein digitaler Lehrplan ist soweit weg wie die Besiedlung der Sonne. Möglich das weiterführende Schulen da auf einem besseren Stand sind… dran glauben mag ich nicht…

11 „Gefällt mir“

Eine Freundin von mir ist Lehrerin für Mathe und Physik in Baden Württemberg, Gymnasium. Während sie die ganze Heimunterrichtssache als Chance sieht und am Tablet Videos macht, die sie dann zusammen mit selbst angefertigten Arbeitsblättern über Hostingplattformen an die Schüler rausschickt, die dann auch Lösungen und Fragen darüber senden können, sehen das die Mehrheit der Lehrer doch etwas anders. In dem Kollegium von knapp 70 Lehrern haben sich gut 40 noch nie auf der Lernplattform angemeldet. Bei Nachfrage kamen Sätze wie „Der Laptop steht zu Hause eingepackt, mal schauen, wann ich mal dazu komme, mich damit zu beschäftigen.“ „Ich weiß ja nicht mal wie man das Teil einschaltet“ „Bei mir geht es nicht“ „Passwort vergessen“. Das auch von Leuten knapp über 40. Insgesamt mindestens 15 Lehrer, quer durch alle Fachbereiche, die komplett die Technik verweigern. Die meisten davon haben vor den Lockdowns einen Satz Blätter hingeknallt, dazu Bücherlisten und gut war.

6 „Gefällt mir“

Meine Frau ist auch Mathe- und Physiklehrerin am Gymnasium, aber da ist es überhaupt nicht so, vielleicht liegts am jüngeren Kollegium, aber da hat sich jeder damit beschäftigt, Inhalte vorbereitet für den Heimunterricht, Laptops eingerichtet. Da ist die Verärgerung aber immens groß, wie wenig von politischer Seite über die letzten Monate passiert ist. Im Januar solls losgehen und wenn es zum Homeschooling kommt wurde von dieser Seite fast nichts gemacht, fast alles war Initiative der Lehrer. Und wenn es doch wieder in die Schulen geht, gibt es immer noch keine Luftreiniger, offene Fenster im Januar und Februar, toll. Man fühlt sich da eher als Kinderbetreuer für die Arbeitnehmerklasse und nicht als Lehrkräfte. Die Corona-Krise hat nur nochmal hervorgehoben, wie hoch der Stellenwert Bildung in der Industrienation Deutschland ist.

7 „Gefällt mir“

Ja, das ist wohl die Quintessenz. Entweder kommt der Antrieb von den Lehrern oder sie werden von der Elternschaft getrieben. Von politischer Seite ist weder eine Idee noch ein Ansatz da.
Selbst ohne Pandemie hätte man sich über digitales lernen mal für 5min Gedanken machen können in den letzten 20 Jahren.

5 „Gefällt mir“

Das ist übrigens auch nicht ganz so einfach wie man denkt. Ich arbeite in dieser Branche und so eine große Menge an Laptops oder Ipads ist mal nicht eben so besorgt. Die Ware muss erstmal geliefert werden (kann in Coronazeiten schonmal dauern), einzeln ausgepackt und dann mit Software bespielt werden. Wenn dann von Schulen tausende IPads oder Laptops auf einmal angefragt werden die neben dem alltäglichen Geschäft mit den Kunden abgearbeitet werden müssen kommt man auch da schnell an die Kapazitätsgrenze.
Das soll nicht heißen, dass man es nicht hätte versuchen können. Eine Teilabdeckung hätte man damit sicherlich erreicht. Aber innerhalb von einem halben Jahr glaube ich nicht, dass du die Schulen flächendeckend mit sowas ausstatten kannst.

1 „Gefällt mir“

:wink:
Auch wenn ich es jetzt nur aus Sicht der iPads sagen kann, in 6 Monaten kann man da locker entsprechend hohe Stückzahlen an die Schulen verteilen. Die Lieferzeit hat sich zwar um einiges verlängert, aber in nem halben Jahr klappt das. Problem ist da viel eher, dass viele Schulen bzw. die entsprechenden Schulträger null vorbereitet waren. Die Schulträger die schon vor Corona das Wort „Digitalisierung“ mal gehört haben, sind da eigentlich ganz gut durchgekommen.
Mit entsprechender Struktur können iPads auch ohne einzelne Bearbeitung an SuS ausgegeben werden und melden sich dann automatisch in den Systemen der Schule an.
Gelder waren u.a. durch DigitalPakt und Sofortausstattungsprogramm auch durchaus vorhanden. Gerade der Digitalpakt wurde bisher aber nur dürftig abgerufen.
Grundsätzlich passt das was @raynewooney sagt ziemlich gut. Oftmals gehen erfolgreiche Programme auf Initiativen von einzelnen Lehrkräften oder Elternteile zurück.

Neinnein, ich habe in keinster Weise Lösungen angeboten oder mir irgendwas vorgestellt. Ich sage nur, dass es ohne weiteres möglich gewesen wäre, die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen. Da geht es ja „nur“ um bedarfsgerechte Produktion und Ressourcenverteilung. Werden Laptops bei den Leuten eingesammelt, die zwei haben oder den das nächste halbe Jahr nicht brauchen. Die personellen Voraussetzungen und die Strukturen zu modernisieren wäre etwas schwieriger, man müsste ja erstmal das digitalisierungsunwillige Personal ersetzen.

Was ich meinte, setzt voraus, dass wir erst mal viel schwierigere Sachen anfassen, wie unsere Produktionsweise bedarfsgerecht auszurichten und die Verteilung von Arbeit und Ressourcen anders organisieren.

Klar ist das für viele jetzt utopisch, because it is. Kommunismus ist jedenfalls einfacher als Fernunterricht für einen Sack Flöhe im Alter von 6-7 Jahren.

Edit: Als kurzfristige Lösung wäre es schon mal gut, wenn das Lehrpersonal nicht den kompletten Unterricht an die Eltern auslagern würde und stumpf Arbeitsblätter verteilen würde sondern es einfache Pointer gäbe, welche Inhalte zu vermitteln sind.

1 „Gefällt mir“

Also meine Frau ist ja Lehrerin am Gymnasium. Außerdem kenne ich 3 Schulleiter an unterschiedlichsten Schulformen. Und unisno bleibt das größte Problem das Personal. Also nicht die Lehrer die sich verweigern würden. Klar gibt’s die unter den älteren Jahrgängen, aber da liegt nicht das Problem, gibt’s in anderen Berufen auch. Vielmehr gibt es am aber niemanden der die IT macht.
Wer verteilt denn eure IPads?
Wer soll denn die Anträge für den Digitalpaket ausfüllen?
Wer administriert die Online Plattformen?
Wer bringt der Lehrerschaft bei ne verschlüsselte E-Mail zu schreiben*?
Ich sag’s euch. Meist ist es ein junger und IT-affiner Kollege der dafür 90Minuten pro Woche bezahlt wird, oder keiner. Kein Wunder dass das ganze Digitalpakt Geld nicht abgerufen wird bzw. das nix passieren kann selbst wenn materielle Ressourcen vorhanden sind.
Ohne KnowHow geht halt nix und deswegen ist es utopisch zu denken man könnte innerhalb von ein paar Wochen ernsthaft digitalisieren.
Im übrigen hat eine mir bekannte Schulleiterin schon vor Jahren bei der Stadt in der sich ihre Schule befindet angeregt doch wenigsten eine Vollzeitstelle für einen Admin zu schaffen, der sich dann um 5 schulen kümmert. Ist natürlich nicht passiert.

*Allgemein ist Datenschutz ein riesen Thema und die Initiative die viele junge Kollegen in der Pandemie zeigen steht mehr als auf gläsernen Beinen. Man darf formal ja nicht mal ne Klassenliste unverschlüsselt speichern oder ne Email mit Klarnamen schreiben. Und ja, bei 500 und mehr Eltern sind eben immer welche dabei die das ganz genau nehmen. Das führte auch dazu das anfangs engagierte Leute, nachdem sie eins auf den Deckel bekommen haben, natürlich auch kein Bock mehr haben sich, überspitzt gesagt, wegen Zoom Meetings ankacken zu lassen oder ihre Stelle zu riskieren. Die verteilen halt jetzt, Dank Eltern, stumpf Arbeitsblätter.

14 „Gefällt mir“