Immer wenn ich denke, wie scheiße alles ist und wie korrupt gerade die Regierungspartei CDU immer noch ist, kuck ich ein ORF-Interview, in dem Fall mit Gernot Blümel, und denke danach, dass es auch wesentlich schlimmer sein könnte. Wobei die ÖVP-Chats deutlich höheren Unterhaltungswert haben.
Die neuen Folgen von Krömer kann man sich alle sehr gut ansehen. Bewegend, wie er mit Torsten Sträter über das Thema Depressionen spricht, die sie beide schon hatten/haben. Oder mit Frauke Petry, bei der er vor lauter Antipathie von Anfang an nur davon spricht, was sie für eine Versagerin ist und sie am Schluss einfach stehen lässt. Alles sehr unterhaltsam. Aber Krömer muss man halt mögen.
Bei der Petry-Folge muss ich widersprechen. Das ist nichts als anstrengend und nervig, es kommen keine zehn Sekunden normales Gespräch zustande, und enttäuschenderweise gefällt sich Krömer da sehr in der Rolle des reinen Dooffinders und Dauerbeleidigers, ohne eine Figur mit einer solchen Angriffsfläche mal wirklich argumentativ vorzuführen. Selbst eine Person wie Petry würde ich zumindest mit einem Mindestmaß an Respekt behandeln, wenn ich sie schon in meine eigene Sendung einlade. Stattdessen gibt er die gesamten 30 min hindurch einfach nur überdeutlich zu verstehen, dass er es scheiße findet, dass sie da ist, und lässt sie am Ende allein auf der Bühne stehen. Das ist Arschlochverhalten und hat null Mehrwert, selbst unter Satiregesichtspunkten. Krömer sollte es vielleicht einfach lassen, sich rechte Idioten in die Sendung einzuladen, denn mit ihnen reden will er nicht und stellen kann er sie nicht - im Fall von Erika Steinbach ging er sogar komplett unter.
Die Folge mit Sträter ist allerdings wirklich hervorragend, weil völlig unerwartet.
Da sind wir dann tatsächlich sehr weit auseinander. Also ich kanns unterschreiben, dass die Sendung sehr anstrengend und unangenehm ist. Aber dieser Irrglaube, rechte Hetzer in Fernsehsendungen argumentativ zu zerlegen hat NOCH NIE funktioniert. Da sind selbst Journalisten, die sehr von sich überzeugt sind, grandios gescheitert. Einfach weil es denen nur darum geht, IHRE Botschaft für IHR Publikum vor einem Millionenpublikum zu verbreiten. Ob danach dann empört dagegen argumentiert wird, und sich alle Antifaschisten einig sind, wie furchtbar das ist, ist fast schon egal. Man argumentiert nicht mit Faschos. Wenn sie dann schon im Fernsehen auftauchen müssen, warum auch immer, dann lieber so.
Und mit (Mindestmaß an) Respekt für Nazis kann ich auch nichts anfangen, Menschen, die andere an der Grenze erschießen oder im Meer ertrinken lassen wollen, freundlich die Hand geben und nen Tee anbieten? Nee, warum. Die Opferrolle werden sie so oder so spielen, und Respekt haben sie keinen verdient. Am schlimmsten fand ich, als Plasberg damals Uwe Jung gefragt hat, ob er sich denn unwohl in seiner Sendung gefühlt hätte. Ich glaub es hackt.
Dann lade ich sie eben gar nicht erst ein, das ist doch mein Punkt. Diese Krömer-Sendung war vergeudete Lebenszeit, weil kein Nutzen darin liegt, sich eine halbe Stunde anzusehen, wie sich eine Person einer anderen gegenüber als genervtes, respektloses Arschloch aufführt. Mir widerstrebt dieses Denken ganz grundsätzlich, bei dem es plötzlich okay ist, sich die Mittel derer zu eigen zu machen, die man verachtet. WENN mir so eine Person wie Petry nunmal gegenübersitzt, sollte ich das Beste daraus machen - und wenn es nur darin besteht, ihr möglichst viele Eigenzitate um die Ohren zu ballern, und dem Publikum so ein dreißigminütiges, kompaktes Zeugnis zu liefern WARUM Frauke Petry scheiße ist. Da wäre schon viel gewonnen gewesen.
Absolute Zustimmung. Habe bislang jede Folge gesehen und finde gerade diejenigen, in denen das vermeintlich größte Potential zu Kontroversen liegt, die schwächsten.
Das war schon bei Steinbach so und ging dann über Palmer bis hin zu Petry.
Krömer wirkt auf mich da zwar einigermaßen auf den Gast selbst und dessen Vita vorbereitet, argumentativ aber doch enorm schwach und reitet immer dieselben Themen bzw. verliert sich in Gefrotzel.
Stark finde ich Krömer entweder dann, wenn es nicht um Politik geht oder wenn er sich mit Politikern einigermaßen auf Augenhöhe unterhält. Bei Steinbach und Petry war klar, dass er sie Scheiße findet bzw. Scheiße finden muss. Er schafft es aber nicht im Ansatz sie bzw. ihre Standpunkte zu „zerpflücken“ oder sie sich selbst bloßstellen zu lassen. Weil ihm da eindeutig die Tiefe fehlt.
Ich verstehe grundsätzlich deinen Punkt. Aber genau DAS wäre, und dabei bleibe ich, das Blödeste, was man machen könnte. Genau diese unsäglichen Zitate wurden doch damals schon alleine deshalb gemacht, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen und das eigene Klientel zu bedienen. Es ist genau dieser Sechser im Lotto, den Rechte wollen: Dass diese Hetze nochmal vor breitem Publikum wiederholt wird. Wenn der Satz ist: „Flüchtlinge sind krimineller als Deutsche“, dann ist es nach dem Aussprechen auch egal, ob du das argumentativ auseinandernimmst. Diese Leute haben ihre aus dem Zusammenhang gerissenen Statistiken parat und am Schluss wurde wieder 15 Minuten über das Thema „kriminelle Flüchtlinge“ gesprochen. Und das hilft nur einem, gerade wenn man ein Buch promoten will. Aber bei einem sind wir uns einig: Am besten gar nicht erst einladen. Nie.
Aber wenn er Petry einlädt, verfolgt er damit auch ein Interesse. Wenn das dann ist, sich wie ein Depp aufzuführen, dann gewinnt sie als Gast einfach schon dadurch, dass sie in einer Zwei-Personen-Show diejenige ist, die sich nicht wie ein trotziges Kind verhält. Es ist eine falsch verstandene Form von Fairness, wenn man denkt, solchen Leuten eine Plattform bieten zu müssen.
Ich gebe dir absolut recht, dass diese argumentativen Auseinandersetzungen nichts bringen. Dass den Extremrechten von einem Kurt Krömer inhaltlich oder rhetorisch damit nicht beizukommen ist. Aber diese Geschichte bringt keinem irgendwas und noch am ehesten Petry. Es gibt keine Verpflichtung, weder vom Sender, noch moralisch, sie einzuladen. Aber wenn es dann passiert, dann kann sie sich in der moralischen Opferrolle suhlen, dass mit ihr in der Sendung nicht gleichwertig umgegangen wird.
Welche Linksextremisten meinst Du konkret?
In Deutschland wird ja vermeintlicher Linksextremismus mit extrem viel Aufwand, Ressourcen und Gewaltanwendung durch den Staat bekämpft, es werden etablierte bürgerliche Parteien aus politischer Motivation geheimdienstlich überwacht usw.
In meinem Umfeld habe ich auch einige, die für jede Argumentation nicht offen sind. Und immer blind draufhauen.
Und ich denke, wenn hier so pauschalisiert wird, dann darf ich das auch.
Genau darum geht es mir ja, und deshalb stellte ich die Frage. Wenn Argumentation nichts bringt, wie geht man dann damit um, außer vermeiden und wegschließen?
Du schreibst mit dem Post halt irgendwas, nur gehst du nicht auf das ein, was Thrasher geschrieben hat. Er ist ja gar nicht auf deine Pauschalisierung eingegangen, vielleicht auch deshalb, weil du gar nicht pauschalisiert hattest.
Gegen Linksextremismus gehen Staat, Polizei und Verfassungsschutz nun mal bereits sehr konsequent vor. Gegen Rechtsextremismus in der Regel nur dann, wenn man absolut nicht mehr wegschauen kann. Und diese Ungleichbehandlung ist doch das, was Thrasher hierzurecht anprangert. Und wo man hinterfragen muss, woher das kommt. Möglicherweise halt schon deshalb, weil es mehr Rechte als Linke in diesen Gremien gibt.
Und was machen die Bekannten konkret, was finden die gut? Verprügeln die Nazis? Enteignen die nachts reiche Leute? Sind die bei den Revolutionären Zellen?
Sorry, für die edits, Ich würde gerne verstehen, wo Du das Äquivalent zu Frauke Petry siehst. Antifa? Extinction Rebellion? Die MLPD?
Mir ist schon bewusst, dass ich mich hier in diesem Forum mit solchen Aussagen ein wenig in die Nesseln setze, da es hier doch recht linksorientiert zugeht. Aber mir geht es um die grundsätzliche Frage, wie geht man denn nun angemessen damit um? Und meine Kritik ging nicht Richtung Thrasher.
Bei mir fängt Extremismus nicht nur damit an, was man faktisch tut, sondern im Denken. Ich finde es etwas schräg, wenn man immer nur draufhaut, und Rechtsextremisten dann u. a. auf eine Stufe mit Kinderschändern und Vergewaltigern stellt, welche kastriert, weggeschlossen (O-Ton) werden oder was weiß ich. Man kann, nein, man sollte es auch schlimm finden, aber wie ist der richtige Umgang damit? Und das war die grundsätzliche Frage von mir. Sonst stellt man sich auf eine Stufe mit diesen Menschen.
Dank dir, das weiß ich schon einzuordnen aber ich bin da immer noch nicht schlauer leider. Du nimmst Anstoß daran, wenn man Rechtsextremisten mit Kinderschändern oder Vergewaltigern auf eine Stufe stellt.
Und die Nesseln setzt Du dich nicht mit Deiner politischen Einstellungen für mich überhaupt nicht, höchstens insofern, als dass es Dir anscheinend schwer fällt, Ross und Reiter zu benennen, wenn es um eine extreme Linke geht. Daher noch Mal die Frage, wen, bzw. was meinst Du konkret?
Vielleicht geht unser Verständnis von extrem auch ein wenig auseinander. Für mich fängt das schon im Denken an, dann muss es nicht unbedingt in irgendeiner Art und Weise organisiert sein. Vielleicht dezent vergleichbar mit dem zuletzt hier diskutierten Alltagsrassismus.
In meinem privaten Umfeld war ich lange Zeit auch mit einigen Punks unterwegs, welche eine ausgeprägte linke Orientierung hatten. Da gehörte das obligatorische Steine schmeißen bei Demos zum guten Ton. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich mich dort rausgezogen hab. Denn argumentativ war diesen auch nicht beizukommen. Mich macht sowas einfach immer ratlos, aber auch ein bisschen wütend.
Es triggert mich einfach maßlos, wenn immer nur draufgehauen wird, und ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.